Der liebe Sand beim neuen Rammbrunnen

  • Hallo liebe Forengemeinde,


    ich bin neu hier und möchte an dieser Stelle alle Begrüßen.


    Vielleicht könnt Ihr mir bei meinem Problem einen Tipp geben.


    Folgende Ausgangssituation:

    Neu geschlagener Rammbrunnen. Rammfilter 1 1/4 Zoll mit Innentresse. Grundwasser beginnt bei ca. 1m (+0,5m Schachtaushub), Der Brunnen besteht derzeit aus Rammfilter + 3m Rohrleitung. Die Filterspitze liegt derzeit ca. 3m im Grundwasser, wir haben hier vor allem Sandschichten (sind offiziell Überschwemmungsgebiet, daher hoher Grundwasserspiegel).


    Wir haben den Brunnen vor der ersten Nutzung 30 Minuten gespült. Leider habe ich nur eine E-Pumpe und diese zum Anpumpen genutzt (direkt ans Brunnenrohr angeschlossen, vorher noch das Rückschlagventil). Erst kleinere Ansaugversuche, anfänglich sehr viel Sand, dann wurde das Wasser immer klarer und wir haben die Pumpe ca. 2 Stunden laufen lassen. Dann die Abschließende Verrohrung gemacht und die Pumpe samt Vorfilter in den Schuppen gestellt und wieder angepumpt.


    Sand-Vorfilter war sofort Dicht nach den ersten erneuten Versuchen. Also Filter erst mal entfernt (Das Risiko das meine Pumpe dann den Geist aufgeben kann ist bekannt) und erneuter Versuch. Wasser läuft, erst Sand, später klar. Haben die Pumpe jetzt ca. 4-6 Stunden am Stück bereits laufen lassen.


    Aktueller Stand: Immer wenn ich die Pumpe neu Einschalte (z.B. nach der Nacht) kommt ca. 1-2 Minuten Sandiges Wasser, dann wird es sehr klar. Auch wenn ich z.B. den Wasserhahn kurz schließe, die Pumpe saugt bis der Druckschalter Dicht macht und kurz darauf dann den Hahn wieder öffne, das selbe Spiel. 1-2 Minuten Sandiges Wasser, dann klar.


    Die Pumpe ist eine T.I.P. HWW 4500 INOX. Mir ist bekannt das diese für einen Rammbrunnen zu stark ist, wurde aber bisher ca. 20 Jahre am "alten" Rammbrunnen eingesetzt (wechselnde Modelle, aber ähnliche Stärke), der jetzt kaputt ist, war also einfach noch vorhanden. Derzeit fördert diese ca. 1440l/h am neuen Brunnen.


    Nun zu meiner Frage: Was kann ich tun?

    Meine Ideen bis jetzt: Brunnen noch tiefer machen oder schwächere Pumpe kaufen. Schwengelpumpe oder Bohrbrunnen ist leider keine Option :-(


    Eure Ideen dazu?


    Vielen Dank für die Hilfe


    Grüße

    Sven aka Nobsi


    Nachtrag: Vor der Pumpe sitzt ein Kugelhahn. Diesen habe ich gerade mal genutzt um die Ansaugleistung zu reduzieren (habe diese fast halbiert, zumindest geschätzt an der Wassermenge die herauskam). Aber leider bleibt der Effekt der selbe. Sobald ich die Pumpe kurz abstelle, saugt er im Anschluss am Anfang Sand mit :-(

  • Rammbrunnen sind für Sandkörner, die kleiner als die Filtertresse sind, nicht geeignet. Sie müssen sehr (!) sorgfältig klargepumpt werden. Mehrere m³ mit einer Schwengelpumpe. Dann besteht die Chance, dass durch den geringen Wasserfluss die Feinsandteile ausgespült werden (nicht herausgerissen wg. grosser Wassermenge) und sich grössere Sandkörner um das Filtergerüst anlegen.


    Du hast, was das Klarspülen betrifft, alles falsch gemacht, was man nur falsch machen konnte. Ob jetzt noch nachträglich ein Klarspülen mit einer Schwengelpumpe möglich ist, muss angezweifelt werden.


    Bei der geringen Wassertiefe setzt man einen Bohrbrunnen mit Sandfilter.

    Gruss

    kg49

    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar formuliert und vollständig beschrieben wird.


    Dazu gehört hier im Forum vor allem die Beschreibung der Randbedingungen eines zu lösenden Problems,

    also z.B. Schichtenverzeichnis, Brunnenausbauplan, genaue Typenbezeichnung der Pumpe.

    Wenn Daten nicht zur Verfügung stehen, sollte das auch angegeben werden.

  • Danke kg49 für Deine Antwort. Das trifft natürlich hart, haha. Aber man kann eben nur durch Fehler lernen.

    Das Gegenspülen (von oben in den Brunnen mit klarem Wasser) das wir nach dem Setzen des Brunnens gemacht haben war quasi nur die halbe Miete, wichtiger wäre das Anpumpen mit einer Schwengelpumpe gewesen, richtig? Die e-Pumpe hatte dann zu viel Wasser gezogen und den Sand der um den Filter war zu stark an den Filter gezogen?

    Sorry, versuche das nur etwas besser zu verstehen was bei so einem Brunnen passiert ;-)


    Bezgl. des Bohrbrunnens werde ich wohl mit dem "manuellen" Erdbohrer nicht weit kommen um so einen selbst zu machen, oder? Da wir bisher einen Rammbrunnen hatten der sehr sauberes Wasser geliefert hatte, war dieser die für mich logische Wahl.

    Es wäre auch kein Problem den neuen Rammbrunnen zu ziehen und neu zu setzen und es dann besser zu machen.


    Für weitere Tipps wäre ich dankbar.


    Vielen Dank


    Grüße

    Sven

  • Sorry, versuche das nur etwas besser zu verstehen was bei so einem Brunnen passiert

    Besser hätte ich es auch nicht beschreiben können.

    Da wir bisher einen Rammbrunnen hatten der sehr sauberes Wasser geliefert hatte

    Was ist aus diesem Brunnen geworden?


    Zur Filterung hier ein Artikel von mir, der zwar für eine andere Entscheidung geschrieben wurde, aber das Filtern erklärt:


    Filterrohre und Kiesschüttung


    Es wird viel zu viel gebuddelt und viel zu wenig nachgedacht beim hobbymässigen Brunnenbau. Und manche "Profis" denken auch zu wenig.


    Im Prinzip gilt grundsätzlich (Ausnahmen bestätigen die Regel, die zu schildern wäre zu umfangreich):

    Ein "profimässig" erstellter Bohrbrunnen wird immer mit einem Arbeitsrohr errichtet, damit eine Kiesschüttung auf das Schichtenverzeichnis abgestimmt werden kann.

    Das Filterrohr hat dabei nicht die Aufgabe zu filtern, sondern ist Gerüst für die filternde Kiesschicht. Zwischen Arbeitsrohr und Brunnenrohr muss genügend Platz sein, um eine wirksame Filterkiesschicht schütten zu können.

    Alternativ dazu gibt es im Fachhandel (kein Baumarkt) sogenannte Kiesklebefilter oder Kiesbelagfilter (sehr teuer, aber gut), die man statt einer Kiesschüttung verbauen kann.

    Die Abstimmung von Filterkies oder Kiesklebefilter auf die Bodenschicht ist eine komplexe Überlegung, die sehr umfangreich werden kann, um maximale Ergebnisse zu erzielen.

    Da hobbymässig erstellte Brunnen nicht der Wasserversorgung von Stadtteilen dienen, können hier Abstriche an das maximal Mögliche gemacht werden.



    Will man ohne Arbeitsrohr arbeiten, ändern sich die Verhältnisse gravierend.

    Jetzt dient das Filterrohr nicht mehr als Traggerüst für eine genau abgestimmte Kiesfilterschicht, sondern als Traggerüst für das Erdreich um die Filteröffnungen.

    Da man meistens nicht weiss, wie sich das Erdreich zusammensetzt, bleibt einem nichts anderes übrig, als die kleinste Schlitzweite zu nehmen und zu hoffen, dass das passt.

    Ist der Boden um die Filter zu fein, so gehen die Körner durch die Filterschlitze und der Brunnen wird ständig Sand führen.

    Haben die Bodenkörner die gleiche Grösse wie die Filterschlitze, so werden diese in einem hohen Umfang verstopfen und den Wassereintritt stark verringern.

    Nur wenn die Körner grösser als die Filterschlitze sind, können sie sich wie eine Filterkiesschüttung an das Filterrohr anlegen.

    Nun besteht der Boden ja nicht aus gewaschenem und gesiebten Sand bzw. Kies, sondern es sind alle möglichen Korngrössen in einer Probe zu finden. Deswegen muss man einen Esslöffel getrockneten Boden auf mm-Papier streuen, um ihn beurteilen zu können.

    Die grösseren Körner sollten grösser als die Filterschlitze sein, die kleineren, das sogenannte Unterkorn, sollte kleiner als die Schlitze sein.

    Beim Klarpumpen eines Brunnens wird im Idealfall das Unterkorn durch die Schlitze abgepumpt, im Laufe der Zeit immer weniger und der Brunnen wird sandfrei.


    Ob man nun ein Arbeitsrohr setzt, mit Kiesschüttung oder Kiesklebefiltern arbeitet, oder das Rohr direkt abteuft, muss jeder Hobbybrunnenbauer selbst entscheiden.

    Manchmal sind Erfahrungen der unmittelbaren Nachbarschaft oder Schichtenverzeichnisse der zuständigen Ämter nützlich. Sie sind aber nie(!) eine Garantie für den Boden,den man dann tatsächlich antrifft. Innerhalb weniger Meter können sich die Bodenverhältnisse massiv verändern.


    Gruss

    kg49

    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar formuliert und vollständig beschrieben wird.


    Dazu gehört hier im Forum vor allem die Beschreibung der Randbedingungen eines zu lösenden Problems,

    also z.B. Schichtenverzeichnis, Brunnenausbauplan, genaue Typenbezeichnung der Pumpe.

    Wenn Daten nicht zur Verfügung stehen, sollte das auch angegeben werden.

  • Danke für die Zahlreichen Infos!


    Der alte Brunnen war letztes Jahr verockert. Beim Versuch ihn dieses Jahr wieder zu renaturieren ist mir dann das Rohr gebrochen (musste einiges festsitzendes Abschrauben bis ich vernünftig ans Rohr kam), jetzt zieht er mehr Luft wie Wasser :( Aber er war auch schon seeeeeehr alt. Aber auch nur ca. 3,5 Meter tief im Boden.


    Also wenn ich das richtig sehe, hätte ich 2 Möglichkeiten:


    1. Bestehenden Brunnen ziehen, Filter reinigen, neu Einschlagen und RICHTIG klar-spülen. Zumindest das beste geben. Mit einer 50:50 Erfolgschance auf Sauberes Wasser :)


    2. Eine höhere Erfolgschance auf Funktion hätte ein Bohrbrunnen, bei dem ich mir neues Material und Pumpe holen müsste.


    Sehe ich das in ungefähr richtig? Sicherlich gibt es auch andere Optionen, wie nen Profi machen lassen :), aber dazu habe ich im Moment noch zu großen Ehrgeiz und irgendwie machts ja auch Spaß (bis auf die Kosten :D)

  • Der alte Brunnen war letztes Jahr verockert.

    Kein Wunder bei der Belastung. Rammbrunnen sind konstruktiv für 600L/h vorgesehen.


    Aber auch nur ca. 3,5 Meter tief im Boden.

    Vielleicht war dort eine "bessere" Sandschicht.


    Mit einer 50:50 Erfolgschance

    Ich sehe die Chance schlechter, wenn kein Grobsand gefunden wird.

    Gruss

    kg49

    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar formuliert und vollständig beschrieben wird.


    Dazu gehört hier im Forum vor allem die Beschreibung der Randbedingungen eines zu lösenden Problems,

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  • Würde es reichen, wenn ich den Rammbrunnen einfach nen Meter tiefer oder höher setze um einen neuen Spülversuch zu machen? Oder besser ziehen, reinigen und neu einschlagen? Jetzt ist das Zeug schon da. Mit Schwengelpumpe natürlich. Wenn es nix wird dann steht ganz klar Bohrbrunnen auf dem Programm.

    Danke

  • Würde es reichen, wenn ich den Rammbrunnen einfach nen Meter tiefer oder höher setze um einen neuen Spülversuch zu machen

    Das kann man natürlich probieren. Ausser Zeit kostet es wahrscheinlich nichts.

    Gruss

    kg49

    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar formuliert und vollständig beschrieben wird.


    Dazu gehört hier im Forum vor allem die Beschreibung der Randbedingungen eines zu lösenden Problems,

    also z.B. Schichtenverzeichnis, Brunnenausbauplan, genaue Typenbezeichnung der Pumpe.

    Wenn Daten nicht zur Verfügung stehen, sollte das auch angegeben werden.

  • Ok, vielen Dank für Deine Hilfe bei diesem Thema. Ich probiere es einmal aus.


    Ggf. liest man sich dann im "Bohrbrunnen" Thread wieder ;-) Mir ist noch nicht ganz klar welchen Typ von Rohre ich benötige (Wie viel Filter und welcher Typ, was ist ein Sumpfrohr, wie groß die Rohre wenn ich nur einen 120er Erdbohrer habe, HWW soll genutzt werden usw.), da muss ich mich erst noch etwas belesen.


    Nochmals vielen Dank. Sven

  • Hier kurz ein Update.

    Letzten Samstag haben wir den Brunnen noch 3m tiefer geschlagen. Ein lokaler Gartenbauer hat uns das angeraten.


    Zudem habe ich mir ne Schwengelpumpe zugelegt ;-)


    Also 3m runter, jetzt insgesamt auf 7m. Dann 30 min Klarspülen und dann ordentlich Schwengeln. Haben irgendwas jenseits der 1500 Liter rausgepumpt bis das Wasser nur noch wenig Sand hatte. Dann auch mal mit der E Pumpe sehr kurz mal angetestet. 1Tag Pause gemacht und dann noch mal geschaut:


    Ergebnis: Endlich Klares Wasser. Sowohl Handgepumpt als auch an der E Pumpe.

    Jetzt kommt noch ne schwächere E Pumpe dran, dann ist alles gut.


    Danke nochmal für die Tipps und Infos hier im Forun.


    Grüße

    Sven

  • Na also, geht doch.

    Bein Entsanden eines Rammbrunnens geht nichts über eine Schwengelpumpe.

    Gruss

    kg49

    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar formuliert und vollständig beschrieben wird.


    Dazu gehört hier im Forum vor allem die Beschreibung der Randbedingungen eines zu lösenden Problems,

    also z.B. Schichtenverzeichnis, Brunnenausbauplan, genaue Typenbezeichnung der Pumpe.

    Wenn Daten nicht zur Verfügung stehen, sollte das auch angegeben werden.

Brunnen selber bauen