Welche Pumpe als Ersatz für Tracer MO-ZA4-55-1

  • Hallo,

    wir haben seit etwa 5 Jahren einen Tiefbrunnen der unsere Toilettenspülung versorgt.

    Der Pumpenmotor hat sich nun leider verabschiedet und als schnellen Ersatz habe ich eine Billigpumpe erworben. Der Einbau scheitert aktuell allerdings an einem fehlenden Reduzierstück von 2 1/4“ auf etwas normales. Siehe: Reduzierstück 2 1/4" gesucht


    Vermutlich war es auch nicht richtig irgendeine Pumpe zu besorgen, ein bisschen Abstimmung auf das System dürfe nicht schaden. Das hole ich jetzt nach.

    Wer kann mir für folgende Pumpe einen adäquaten Ersatz empfehlen:

    Tracer MO-ZA4-55-1 4-550-A1

    Leistung 0,55 KW

    Spannung 230V

    Drehzahl 2900 1/min

    Stromaufnahme 4,2 A

    Eintauchtiefe 80m

    Motor Durchmesser 96mm


    Die Pumpe versorgt einen Druckspeicher von Wellmate WM0060-CE mit 55 Liter, Der Druckschalter, mdr 5/8, schaltet bei 2,5 bar ein und bei 7 bar aus.

    Die Pumpe hängt in etwa 15m Tiefe, Wasser gibt es schon ab 5 m.

    Der Brunnen wurde von einem professionellen Brunnenbauer gebohrt, der auch Druckkessel, Pumpe, Druckschalter etc. zusammengestellt hat.


    Danke fürs lesen

    Gruß

    R.J.

  • Man bräuchte die Pumpenkennlinie der Tracer und den Arbeitspunkt, in dem die Tracer betrieben wurde, , um ein vergleichbares Produkt zu finden.

    Die richtige Pumpenauswahl ist gar nicht so einfach und wird häufig nachgefragt. Dazu habe ich folgenden Artikel geschrieben:

    Pumpenstärke

    Wählt man ohne nähere Kenntnisse oder mit einer schlechten Beratung eine Pumpe aus, so gibt es für deren Stärke drei Möglichkeiten:

    Zu stark,

    zu schwach,

    zufällig genau richtig.

    Um dem Zufall auf die Sprünge zu helfen und um eine optimale Auswahl treffen zu können, muss man zwei Werte bestimmen:

    1. Die maximale Wassermenge, die die Pumpe pro Zeiteinheit liefern soll

    2. Den erforderlichen Wasserdruck, der am Pumpenausgang bei der unter (1.) bestimmten Wassermenge anliegen muss.

    Am einfachsten ist dabei die Bestimmung der Wassermenge.

    Jeder renommierte Sprinklerhersteller gibt den Druck und die Wassermenge an, die für die Beregnung einer Fläche erforderlich ist. Bei unbekannten Verbrauchern kann man die Wassermenge mit Hilfe des Hausnetzes und einem Durchflussmesser (Wasseruhr) bestimmen oder auf Erfahrungswerte zurückgreifen (Eimerfüllmethode). Allerdings ist die Anschaffung einer Wasseruhr sowieso auch für später sehr nützlich.

    Unter Beachtung des Gleichzeitigkeitsfaktors erhält man nun eine bestimmte Wassermenge, z.B. 1800 L/h bzw. 1,8 m³/h.

    Die Bestimmung des erforderlichen Pumpendrucks ist etwas aufwändiger. Hier müssen drei verschiedene Faktoren berücksichtigt werden:

    1. Druckverluste durch Höhenunterschiede

    2. Druckverluste durch Wasserströmung

    3. Betriebsdruck des Gerätes

    Die Druckverluste durch Höhenunterschiede bestimmt man durch den Höhenunterschied zwischen Grundwasserspiegel und dem höchsten Wasserentnahmepunkt (Die Tiefe, in der eine Tiefbrunnenpumpe hängt, spielt keine Rolle!).

    Beispiel: Grundwasserspiegel im Betrieb bei – 8m, höchster Entnahmepunkt + 13m, bezogen auf die Höhe des Brunnenkopfes bzw. dem Standort einer Saugpumpe. Daraus ergibt sich ein Höhenunterschied von 21m, was einem Druckverlust von 2,1 Bar entspricht.

    Druckverluste durch Wasserströmung bestimmen sich aus dem Querschnitt und Länge des Steig- (Ansaug-) rohres der Pumpe sowie aus Querschnitt und Länge der Verteilerleitungen.

    Die Berechnung ist so komplex, dass man diese nicht selbst durchführt, sondern auf Tabellen oder Berechnungprogramme zurückgreift. Z.B. www.druckverlust.de/onlinerechner .

    Hierbei muss nur beachtet werden, dass grundsätzlich der Innendurchmesser des Rohres eingegeben werden muss. Gerade bei PE Rohren führt das immer wieder zu Missverständnissen. PE 40 hat halt 32mm Innendurchmesser.

    Hat man Leitungen mit verschiedenen Durchmessern, so müssen diese einzeln berechnet und die Einzeldruckverluste am Schluss addiert werden.

    Zu den Druckverlusten der Leitungen kommen dann noch Druckverluste von Rückflussventilen, Wasseruhr, Filter, Presscontrol, Schieber, Hähne etc. hinzu. Hier kommt es auf Anzahl und Querschnitt an. Meistens kommt man mit einer Pauschalannahme von 0,5 – 1,5 Bar aus.

    Der Betriebsdruck des Gerätes (Sprenger etc.) steht im Datenblatt oder kann beim Hersteller angefragt werden.

    Diese Drücke von der Höhendifferenz, dem Strömungswiderstand und dem Betriebsdruck des angeschlossenen Gerätes werden addiert, z. B. erhält man 5,7 Bar.

    Kürzt man

    den Druck der Höhendifferenz mit PH

    den Druck des Strömungswiderstandes mit PS

    den Betriebsdruck eines Gerätes mit PB

    und den Druck des Arbeitspunktes mit PA

    ab, so gilt folgender einfacher Zusammenhang:

    PH + Ps + PB = PA

    Mit der im Beispiel angenommenen max. erforderlichen Wassermenge von 1,8m³/h erhält man jetzt den Arbeitspunkt der gesuchten Pumpe: 5,7 Bar / 1800L.

    Für diesen berechneten Arbeitspunkt ist jede Pumpe geeignet, deren Pumpenkennlinie genau durch diesen Punkt läuft.

    Man muss also bei Pumpen, die man aussuchen oder vergleichen will, die Pumpenkennlinien anschauen, ob sie (in etwa) durch diesen Punkt laufen.

    Oft geben Pumpenhersteller bei ihren Pumpenkennlinien einen Bereich an, in dem die Pumpe einen guten Wirkungsgrad hat. Dieser Bereich wird häufig durch zwei senkrechte Striche in der Pumpenkennlinie gekennzeichnet. Man sollte Pumpen bevorzugen, bei denen der berechnete Arbeitspunkt innerhalb dieses Bereiches liegt.


    Den fehlenden Adapter dürfte jeder Betrieb mit einer Drehmaschine für kleines Geld anfertigen.

    (Evtl. Lehrwerkstatt einer Firma?)

    Es bestünde auch die Möglichkeit, bei eB*** Kleinanzeigen nach einem Hobbyhandwerker zu suchen, der eine kleine Drehbank im Keller hat und über das nötige Know How verfügt.

    Gruss

    kg49

    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar formuliert und vollständig beschrieben wird.


    Dazu gehört hier im Forum vor allem die Beschreibung der Randbedingungen eines zu lösenden Problems,

    also z.B. Schichtenverzeichnis, Brunnenausbauplan, genaue Typenbezeichnung der Pumpe.

    Wenn Daten nicht zur Verfügung stehen, sollte das auch angegeben werden.

  • Hi und danke für die ausführliche Antwort.

    Den Artikel zur Pumpenauswahl hatte ich bereits gelesen. Allerdings gehe zunächst einmal grundsätzlich davon aus, dass die bisherige Anlage richtig gewählt und konfiguriert war. Das wurde immerhin von einem Brunnenbauer gemacht, der damit professionell seinen Lebensunterhalt verdiente. Da sich in den letzten Jahren auch nichts am Verbrauch geändert hat, sollte es doch mit dem Austausch der Pumpe getan sein.

    Was ich übrigens bei den möglichen Berechnungen bisher nicht verstanden habe ist, ob die Pumpe bei einem Ausschaltdruck am Druckschalter von 7 bar mindestens 7 bar durch die Pumpe dort ankommen müssen. Das wäre für mich logisch, und von daher müssten alle Pumpen mit weniger Nenndruck schon mal ausschieden. Da werde ich aber wohl gleich eines besseren belehrt.

    Da ich kaum bis keine Informationen über dieses Modell von Tracer gefunden habe, gibt es auch keine Pumpenkennlinie. Meine Hoffnung war und ist, dass jemand die Pumpe kennt und eine „gleiche“ empfehlen kann.


    Einen Anschluss drehen lassen ist keine wirkliche Option. Erstens kenne ich niemanden der das mal auf die Schnelle gut und preiswert macht und zweitens dürfte das vom Zeitaufwand eher höher liegen, als eine passende Pumpe zu bestellen und liefern zu lassen. Letztes macht für mich weitaus mehr Sinn.

    Gruß

    R.J.

  • und von daher müssten alle Pumpen mit weniger Nenndruck schon mal ausschieden.

    Nein.

    Mechanische Druckschalter lassen sich einstellen, elektronische Druckschalter haben keinen Ausschaltdruck sondern reagieren auf Stopp des Wasserflusses.

    Gruss

    kg49

    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar formuliert und vollständig beschrieben wird.


    Dazu gehört hier im Forum vor allem die Beschreibung der Randbedingungen eines zu lösenden Problems,

    also z.B. Schichtenverzeichnis, Brunnenausbauplan, genaue Typenbezeichnung der Pumpe.

    Wenn Daten nicht zur Verfügung stehen, sollte das auch angegeben werden.

  • Es ist ein Druckschalter Condor MDR 5/8, sicher lässt der sich einstellen. Die bisherige Enstellung war aber O.K., zumindest soweit wir das beurteilen können. Wenn ich den nun herunterregele taktet doch nur die Pumpe öfter und der Druckspeicher wird nicht ausgenutzt. Oder versteh ich das falsch.

  • Oder versteh ich das falsch.

    Vollkommen.

    Der Druckschalter wird so eingestellt, dass bei max. Dauerentnahme die Pumpe nicht taktet, also durchläuft.

    Für die Entnahme kleiner Wassermengen wird das Volumen des Ausgleichsgefässes passend gewählt. Eine Wassermengensteuerung erfolgt nur über den Vordruck.

    Gruss

    kg49

    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar formuliert und vollständig beschrieben wird.


    Dazu gehört hier im Forum vor allem die Beschreibung der Randbedingungen eines zu lösenden Problems,

    also z.B. Schichtenverzeichnis, Brunnenausbauplan, genaue Typenbezeichnung der Pumpe.

    Wenn Daten nicht zur Verfügung stehen, sollte das auch angegeben werden.

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