Neuen Brunnen selber bohren

  • Hallo,


    ich komme aus Weyhe-Leeste bei Bremen und habe einen ca. 30 Jahre alten, 7m tiefen Spülbrunnen für die Gartenbewässerung. Dieser besteht aus einem Eisenrohr welches in die Erde geht und am Ende von diesem befindet sich (wenn ich das richtig in Erinnerung habe) ein Filter. Leider schafft meine Pumpe es nicht für meine beiden neuen Gardena OS140 Rasensprenger ausreichend Druck aufzubauen (ich bräuchte wohl etwa 6 bar um auf die richtige Reichweite zu kommen), weshalb ich es zunächst mit einer neuen Pumpe versucht habe. Es handelt sich dabei um eine 1,5kW Kreiselpumpe von CHM. Diese kommt allerdings überhaupt nicht damit klar, dass aus meinem Brunnen sehr kleine Luftbläschen kommen und baut im Gegensatz zu meiner jetzigen Jet-Pumpe überhaupt keinen Druck auf. Ich habe bereits alles auf Dichtigkeit überprüft und habe sogar extra den Übergang zum Eisenrohr freigelegt und mühevoll auseinander genommen und erneut eingedichtet. Daher glaube ich so langsam, dass ich um einen neuen Brunnen nicht herumkomme. Ich habe mich also hier im Forum etwas eingelesen und mir ein paar Pumpen angeschaut und würde immer mehr zu einem Bohrbrunnen mit einer Tiefbrunnenpumpe tendieren und nicht wieder einen Spülbrunnen nutzen. Nun weiß ich natürlich nicht, was mich hier in der Erde so erwartet. Ich habe natürlich auch den Thread Grundwassertiefe in PLZ 28844 - Weyhe / Erichshof bei meiner Suche gefunden, weiß aber nicht inwiefern das für mich in wenigen Kilometern Entfernung noch relevant ist.


    Nun stellen sich mir natürlich mehrere Fragen die ich hoffe gemeinsam mit euch klären zu können:

    - Macht ein neuer Brunnen überhaupt Sinn oder kann ich den alten Brunnen doch irgendwie weiter nutzen?

    - Sollte ich wieder einen günstigen Brunnen spülen lassen und riskieren dasselbe Problem erneut zu haben oder macht ein Bohrbrunnen mehr Sinn?

    - Wie gehe ich am besten vor wenn ich einen solchen Bohrbrunnen selber bohren möchte? Ich habe schon gelesen, dass ich die Pumpe auf keinen Fall dorthin hängen darf wo sich die Filterschlitze im Brunnenrohr befinden (und das man auf jeden Fall das "richtige" Brunnenrohr verwenden soll und nicht irgendwelche Abwasserrohre etc.), nur woher weiß ich wo ich diese Filter anordnen kann/soll? Da diese ja zuerst in die Erde müssen kann ich ja nicht einfach mal drauf los bohren und dann schauen wo diese sinnvollerweise angeordnet werden müssen sondern dies muss ja schon vorher geklärt werden und ein entsprechender Plan erstellt werden.

    - Sehe ich es richtig, dass ich die ersten ca. 3m bis zum Grundwasserspiegel bohren kann und ab dann mühevoll mit der Kiespumpe weiterarbeiten muss? Wie tief muss ich eigentlich mit dem Brunnen gehen? Und welchen Durchmesser sollte mein Brunnenrohr haben?


    Es werden sich bestimmt noch einige weitere Fragen ergeben je tiefer ich jetzt in das Thema eintauche und ich hoffe auf eure Hilfe bei der Beantwortung und meinem Weg zum neuen Brunnen (oder eben zum "neuen alten Brunnen" wenn man den jetzigen noch irgendwie wieder fit bekommt).

  • Du hast Dich zwar lobenswert versucht, in die Thematik einzuarbeiten, aber da Brunnenbau recht komplex ist, müssen zuerst einige Grundlagen geschaffen werden, einzelne Stichworte reichen nicht aus.

    Ich möchte Dir drei Grundthemen nahelegen, die Du erst mal lesn und verstehen solltest.

    1. Pumpendruck und Fördervolumen (Pumpenkennlinie)

    Damit Du das Verhalten deiner Pumpen richtig interpretierst.

    2. Theoretischer Aufbau eines Brunnens in unbekanntem Gelände

    3. Ein sehr praktischer Bericht über die Erstellung eines Bohrbrunnens.


    zu 1:

    Pumpenkennlinie


    Betrachtet man Pumpen im Baumarkt oder online im Netz, so fällt einem auf, dass sich auf dem Typenschild oder bei den technischen Angaben zwei Werte befinden, die anscheinend die Eigenschaften der Pumpe beschreiben: Eine Druckangabe und eine Wassermengenangabe.


    Z.B. kann man lesen 5 Bar / 3000L/h

    Da 10m Wassersäule einen Druck von ca. 1 Bar hat, werden die Drücke häufig auch in Höhenangaben angegeben, d.h. es kann auch stehen: 50m / 3000L/h.


    Man könnte jetzt annehmen, dass die genannten Daten die Eigenschaften der Pumpe beschreiben, also 3000L/h bei einem Druck von 5 Bar gefördert werden. Ein folgenschwerer Irrtum!


    Es ist leicht einzusehen, dass eine Pumpe ihren höchsten Druck hat, wenn der Pumpenausgang verschlossen ist, also die Fördermenge 0L/h beträgt.

    Genauso ist es nachvollziehbar, dass die höchste Wassermenge gefördert wird, wenn der Pumpenausgang offen ist, also kein Schlauch angeschlossen ist. Ist der Ausgang offen, kann dort kein Druck aufgebaut werden, also liegen dort 0 Bar an.


    Diese zwei Zustände nennt man auch Betriebspunkte. Sie entsprechen kaum dem praktischen Betrieb.

    Aber genau diese zwei Betriebspunkte werden bei Pumpen angegeben, also die maximal mögliche Fördermenge und der maximal auftretende Druck. Beide können nie zusammen auftreten!


    Zwischen beiden Betriebspunkten sind unendlich viele Kombinationen möglich.

    Man kann sich das so vorstellen, als ob die Pumpe aus dem Eingangsbeispiel (50m/3000L) in einem Teich neben einem 60m hohen Turm stehen würde.

    Lässt man die Pumpe frei laufen, so fördert sie 3000L/h, ihr Druck beträgt 0 Bar.

    Schliesst man sie an einen langen Schlauch an, den man langsam am Turm hinaufzieht, so hat sie bei 10m einen Druck von 1 Bar, bei 30m von 3 Bar, bei 50m von 5 Bar und bei 60m immer noch 5 Bar. Das Wasser, das durch den Schlauch fliesst, wird immer weniger, je höher der Schlauch gezogen wird. Ab 50m fliesst überhaupt kein Wasser mehr aus dem Schlauch heraus.


    Zu jeder Schlauchhöhe gehört also ein anderer Druck und eine andere Fördermenge.

    Das sind die verschiedenen Betriebspunkte einer Pumpe. Sie werden entweder in einer Tabelle oder mit einer Kurve dargestellt. Diese Kurve nennt man Pumpenkennlinie, bei der man zu jedem Pumpendruck die dazugehörende Fördermenge bzw. zu jeder Fördermenge den dazugehörenden Pumpendruck ablesen kann.


    Ergänzend sei noch gesagt, dass einige Pumpenhersteller neben dem Maximaldruck bzw. der maximalen Fördermenge auch den Betriebspunkt angeben, bei dem die Pumpe ihren besten Wirkungsgrad hat.


    Zu 2:

    Filterrohre und Kiesschüttung

    Es wird viel zu viel gebuddelt und viel zu wenig nachgedacht beim hobbymässigen Brunnenbau. Und manche "Profis" denken auch zu wenig.

    Im Prinzip gilt grundsätzlich (Ausnahmen bestätigen die Regel, die zu schildern wäre zu umfangreich):

    Ein "profimässig" erstellter Bohrbrunnen wird immer mit einem Arbeitsrohr errichtet, damit eine Kiesschüttung auf das Schichtenverzeichnis abgestimmt werden kann.

    Das Filterrohr hat dabei nicht die Aufgabe zu filtern, sondern ist Gerüst für die filternde Kiesschicht. Zwischen Arbeitsrohr und Brunnenrohr muss genügend Platz sein, um eine wirksame Filterkiesschicht schütten zu können.

    Alternativ dazu gibt es im Fachhandel (kein Baumarkt) sogenannte Kiesklebefilter oder Kiesbelagfilter (sehr teuer, aber gut), die man statt einer Kiesschüttung verbauen kann.

    Die Abstimmung von Filterkies oder Kiesklebefilter auf die Bodenschicht ist eine komplexe Überlegung, die sehr umfangreich werden kann, um maximale Ergebnisse zu erzielen.

    Da hobbymässig erstellte Brunnen nicht der Wasserversorgung von Stadtteilen dienen, können hier Abstriche an das maximal Mögliche gemacht werden.

    Will man ohne Arbeitsrohr arbeiten, ändern sich die Verhältnisse gravierend.

    Jetzt dient das Filterrohr nicht mehr als Traggerüst für eine genau abgestimmte Kiesfilterschicht, sondern als Traggerüst für das Erdreich um die Filteröffnungen.

    Da man meistens nicht weiss, wie sich das Erdreich zusammensetzt, bleibt einem nichts anderes übrig, als die kleinste Schlitzweite zu nehmen und zu hoffen, dass das passt.

    Generell gilt:

    Ist der Boden um die Filter zu fein, so gehen die Körner durch die Filterschlitze und der Brunnen wird ständig Sand führen.

    Haben die Bodenkörner die gleiche Grösse wie die Filterschlitze, so werden diese in einem hohen Umfang verstopfen und den Wassereintritt stark verringern.

    Nur wenn die Körner grösser als die Filterschlitze sind, können sie sich wie eine Filterkiesschüttung an das Filterrohr anlegen.

    Nun besteht der Boden ja nicht aus gewaschenem und gesiebten Sand bzw. Kies, sondern es sind alle möglichen Korngrössen in einer Probe zu finden. Deswegen muss man einen Esslöffel getrockneten Boden auf mm-Papier streuen, um ihn beurteilen zu können.

    Die grösseren Körner sollten grösser als die Filterschlitze sein, die kleineren, das sogenannte Unterkorn, sollte kleiner als die Schlitze sein.

    Falls Filterkies geschüttet wird, muss dieser unter Berücksichtigung dieser Überlegungen ausgewählt werden. Filterkies ist idealerweise fast kugelförmig, Splitt ist auf jeden Fall ungeeignet.

    Beim Klarpumpen eines Brunnens wird im Idealfall das Unterkorn durch die Schlitze abgepumpt, im Laufe der Zeit immer weniger und der Brunnen wird sandfrei.

    Ob man nun ein Arbeitsrohr setzt, mit Kiesschüttung oder Kiesklebefiltern arbeitet, oder das Rohr direkt abteuft, muss jeder Hobbybrunnenbauer selbst entscheiden.

    Manchmal sind Erfahrungen der unmittelbaren Nachbarschaft oder Schichtenverzeichnisse der zuständigen Ämter nützlich. Sie sind aber nie(!) eine Garantie für den Boden,den man dann tatsächlich antrifft. Innerhalb weniger Meter können sich die Bodenverhältnisse massiv verändern.


    Zu 3:


    So, noch zum Schluss: Du hast wahrscheinlich keinen Spülbrunnen, sondern einen Rammbrunnen, der evtl. eingespült worden ist.


    Gruss

    kg49

    Es fördert nicht die Problemlösung, wenn von Seiten der Ratsuchenden erst nach mehreren Tagen auf einen Forenbeitrag geantwortet wird, da dies häufig ein erneutes Einlesen in die Problemstellung erfordert.


    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar und vollständig beschrieben wird.


  • Hallo kg49,


    vielen Dank für deine Antwort. Das mit den Pumpenkennlinien war mir durchaus klar, auch wenn ich das nicht richtig beschrieben hatte. Wenn ich die neue Pumpe zum testen aus einer Regentonne habe ansaugen lassen dann hat sie auch Druck aufgebaut und ziemlich gut funktioniert, nur das Ansaugen aus der Erde hat nicht funktioniert. Selbst das hintereinanderschalten der beiden Pumpen (also die alte zum Ansaugen und die neue um auf richtig Druck zu kommen) hat solange gut funktioniert bis das Ausdehnungsgefäß der alten Pumpe leer war und die neue dann quasi durch die alte hindurch saugen musste. Die Pumpe war also entweder überhaupt nicht selbstansaugend, oder zumindest nicht so gut wie die alte Pumpe, vermutlich sind also diese billigen Kreiselpumpen die einen hohen Druck bei hoher Fördermenge versprechen für meinen Brunnen nicht geeignet sondern es muss eine Jet-Pumpe sein. Wenn ich dann schaue was für eine Leistung ich da benötige um auch nur annähernd in den Bereich zu kommen in den ich kommen muss (2.2kW um 60m Förderhöhe bei 30l/min zu haben, und im Prinzip ist das eigentlich auch zu wenig) dann kommt eben die Feststellung, dass ich so irgendwie nicht wirklich glücklich werde. Daher die Idee einen neuen Brunnen mit einer Tiefbrunnenpumpe anzulegen, da diese scheinbar deutlich höhere Drücke/Fördermengen bei derselben Leistungsaufnahme liefern können.


    Zur Bodenbeschaffenheit habe ich einige Informationen die sich auf ein Gebiet etwa 500m südlich beziehen, dort wurde an 10 Stellen der Boden analysiert und ich habe hier die Bohrprofile dieser Bohrungen vorliegen. Dort ist ein Grundwasserstand bei 2,3m bis 3,6m unter der Geländeoberfläche eingetragen und es wird immer wieder Feinsand erwähnt. Vermutlich darf ich diese Unterlagen nicht veröffentlichen, könnte sie dir aber mal zukommen lassen wenn du was damit anzufangen weißt bzw. verstehst wie man das liest und was man daraus für meinen Brunnenbau nun lesen kann. Eine "Körnungslinie" für diverse Proben ist dort auch dabei, allerdings ist das wie bereits erwähnt doch relativ weit entfernt.


    Es müsste auch noch ganz ähnliche Unterlagen für ein Gebiet etwa 50m von mir entfernt geben, die habe ich allerdings leider nicht hier sondern nur einige Informationen daraus: Der mittlere Grundwasserhochstand wird mit 7dm unter Geländeoberfläche angegeben, der mittlere Grundwassertiefstand mit 16dm unter Geländeoberfläche. Es gibt in unmittelbarer Nähe eine Grundwassermessstelle (ca. 150-200m entfernt) wo ein mittlerer Grundwasserhochstand von 8,22mNN gemessen wurde der durch die Förderung eines Wasserwerks beeinflusst wird. Bei einer Untersuchung wurde der Grundwasserstand in einer mittleren Tiefe von 3,9m hier ermittelt, in Teilen um 3,4m unter GOK. Es wurde unterhalb einer bis zu ca. 0.9m mächtigen Oberbodenschicht bis zu einer beprobten Tiefe von 6m unter GOK Sande (Feinsand, schluffig bis stark schluffig, mitteldicht gelagert bzw. steife Konsistenz) vorgefunden. Kann man damit etwas anfangen oder sollte ich mal versuchen den kompletten geotechnischen Bericht zu bekommen? Das ist aber natürlich immer noch 50m entfernt und du hattest ja erwähnt, dass sich die Bodenbeschaffenheit innerhalb weniger Meter komplett ändern kann. Ich würde aber mal vermuten, dass ein solcher Bericht (wenn man ihn lesen kann) für mein Projekt Gold wert ist? Oder sind diese Angaben "Feinsand" zu ungenau um daraus etwas ablesen zu können? Vielleicht gibt es dazu ja auch so eine Körnungslinie.


    Das Klarpumpen des Brunnens würde ich wohl mit meiner jetzigen Pumpe übernehmen, also einen Saugschlauch in den Brunnen hinablassen und dann den Vorfilter benutzen damit der Sand nicht in der Pumpe landet?


    Wenn ich diesen Brunnen "gut" hinbekomme dann könnte ich mir vorstellen einen weiteren Brunnen bei meinen Eltern etwa 1,5km weiter südlich zu errichten: Das Arbeitsrohr wird im Nachhinein wieder gezogen wenn ich das richtig verstanden habe, ich könnte dieses also sogar 2 Mal verwenden bzw. ich könnte für mich einen Brunnen mit Arbeitsrohr errichten und bei meinen Eltern das Arbeitsrohr dann als Brunnenrohr benutzen, sehe ich das richtig? Dann bräuchte ich dort nur zusätzliche Filterrohre und sie hätten auch einen Brunnen der "in Ordnung" ist (dort geht es nur um die Bewässerung von ein bisschen Rasen, es werden also keine großen Fördermengen etc. gebraucht, nur langlebig sollte der Brunnen natürlich sein).

  • Die Bezeichnung "Feinsand" ist eigentlich eindeutig. Details bei Wikipedia.

    Um aus Feinsand Wasser zu gewinnen, welches sandfrei ist, benötigt man einen Feinsandfilter, der normalerweise nur mit Hilfe eines Arbeitsrohres gesetzt werden kann.

    Das wurde von Dir richtig beschrieben.

    Als Mindestdurchmesser sind dann aber 150mm erforderlich. Ob man so ein Rohr bei einer anderen, späteren Bohrung als endgültiges Brunnenrohr verwenden sollte, versehe ich mal mit einem Fragezeichen.

    Gruss

    kg49

    Es fördert nicht die Problemlösung, wenn von Seiten der Ratsuchenden erst nach mehreren Tagen auf einen Forenbeitrag geantwortet wird, da dies häufig ein erneutes Einlesen in die Problemstellung erfordert.


    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar und vollständig beschrieben wird.


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