Pfusch bei Bohrbrunnen?

  • Liebe Brunnenexperten,


    leider werde ich aufgrund eines Problems mit einem Bohrbrunnen vom stillen Mitleser zum Frager. Ich habe im September
    eine örtliche und gut bewertete Brunnenbohrfirma in Oberösterreich mit der Herstellung eines Trinkwasserbrunnens beauftragt - Methode Ø220mm als Lufthebebohrung. Das Projekt befindet sich in einer Flyschzone, daher Wasseradern anstatt Grundwasser. Zwei Pendler haben unabhängig voneinander Wasser in ca. 50m Tiefe an der selben Stelle „gefunden“. Die Wassermenge wurde, insofern dies überhaupt möglich ist mit ca. 1.000l/h angegeben. Die Bohrarbeiten wurden im September an der markierten Stelle durchgeführt. Auf ca. 50m Tiefe stieß die Firma auf eine Quarzschicht. Es wurde dann die Entscheidung getroffen aufgrund des harten Gesteins mit einem geringeren Durchmesser weiterzubohren. Das gesamte Gestänge wurde entfernt und durch ein dünneres ersetzt. Die weitere Bohrung verlief dann sehr zäh. Bei ca. 55m Tiefe wurde mir mitgeteilt, dass man auf ausreichend Wasser gestoßen sei. Die Bohrarbeiten wurden dann vom Bohrmeister beendet und das Bohrgerät abgebaut. Im Nachgang wurde mir von einem Techniker mitgeteilt, dass die Wassersäule bis auf 13m ansteige und dies für die Versorgung meines Mehrfamilienhauses (8 Personen) mit Pool und ca. 1.500m² Garten ausreichend sei.


    Anfang Oktober (ca. 1,5 Wochen nach der Bohrung - Bohrgerät blieb auf der Baustelle) wurde die Verohrung ( Ø115mm) eingebracht und weitere Arbeiten durchgeführt. Da diese an einem Wochenende ohne Absprache erfolgt sind kann ich nicht nachvollziehen was hier genau passiert ist (Kiesschüttung, Zementierung?). Eine Pumpe zum Klarpumpen wurde installiert und mittels Zeitschaltuhr (6h Takt) für den Zeitraum von 2 Monaten bei voller Pumpleistung bis Mitte November betrieben. Nach wenigen Minuten war hier meist nur noch ein Rinnsal auszumachen.


    Das geförderte Wasser war bei zahlreichen Probenentnahmen durch mich immer milchig trüb. Ich habe die Firma seit Anfang Oktober mehrmals wöchentlich um eine Stellungnahme gebeten und ersucht mir die Dokumentation des Brunnens zuzusenden. Die Geologin der Firma hat mich dann am 03.11.2022 informiert, dass für meinen Brunnen weder ein Bohrprofil noch ein Ausbauplan vorliegt und man daher keinerlei Einschätzung zur Wasserführung und Qualität liefern könne. Da die Geschäftsführung auf meine Anfragen nicht zu erreichen war habe ich vor ca. 3 Wochen mit einem Techniker der Firma gesprochen. Dieser meinte, dass ein weiterer Ausbau des Brunnens seiner Meinung nach nicht sinnvoll sei, da dieser sowieso nicht ausreichend Wasser fördere. Die Trübung sei aufgrund eines fehlenden Rückschlagventils der Pumpe erfolgt. Nach massivem Druck auf die Geschäftsleitung wurde mir nun mitgeteilt, dass der Brunnen in 7 Minuten 10l bzw. am Tag 2.000l fördere. Eine Wasserprobe wurde entnommen und das Ergebnis sollte in ca. 2 Wochen vorliegen.


    Sorry, dass hier mit meinen Fragen nerven muss - ich bin ehrlich gesagt aufgrund der bisherigen Leistungen der Firma sehr verunsichert. Bezahlt wurde noch nichts, lt. Angebot bzw. Auftrag haftet die Firma auch nicht für eine bestimmte Wassermenge oder Qualität. Die Wassermenge von 2.000l mag technisch für unser Gebäude ausreichen, ein gutes Gefühl habe ich dennoch nicht.


    - Kann man ohne Bohrprofil bzw. Ausbauplan überhaupt eine seriöse Einschätzung liefern? - Wie würdet ihr die bisherigen Leistungen der Firma honorieren?

    - Wie seht ihr die eigenmächtige Beendigung des Abteufens durch den Bohrmeister? Sollte dieser den Auftraggeber über die Fördermenge informieren bzw. die Möglichkeit bieten noch tiefer zu bohren?

    - Wie seht ihr die Fördermenge von 2.000l am Tag. Wir wollten einen zu großen Zwischentank im Haus vermeiden (Angebot Bohrfirma: Membrangefäß mit 120l) und haben dies vorab auch mit der Bohrfirma besprochen.

    - Ist ein ständiges Leerpumpen des Brunnens problematisch? Ich vermute, dass die Firma die Wasserprobe bis heute rausgezögert hat um die trockenen Monate Oktober und Anfang November zu übertauchen. Müsste ich hier fürchten, dass ggf. die 2.000l noch weiter unterschritten werden?

    - Kann man hier ggf. noch etwas retten?


    Vielen Dank vorab für eure Erfahrungen, Denkanstösse und Lösungsmöglichkeiten!


    Viele Grüße aus dem Salzkammergut

  • Vorab: Ich bin kein Rechtsanwalt und kenne mich im österreichischen Recht noch weniger aus als im hiesigen Recht, aber nach Deiner Schilderung wurde mir zu viel (ab-) gesprochen.

    Entscheidend im Konfliktfall ist der abgeschlossene schriftliche Vertrag, sinnvollerweise basierend auf einem Lasten-und Pflichtenheft. Weiterhin ist wichtig, ob es sich um einen Dienstleistungs- oder Werkvertrag handelt.

    Dort wäre dann auch zu finden, ob ein Schichtenverzeichnis und ein Brunnenausbauplan zum Lieferumfang gehört.

    Das zu Deiner folgenden Frage:

    Wie würdet ihr die bisherigen Leistungen der Firma honorieren?

    Man kann es nicht beantworten, da alle schriftlichen Rahmenbedingungen bis auf folgende Information unbekannt sind:

    lt. Angebot bzw. Auftrag haftet die Firma auch nicht für eine bestimmte Wassermenge oder Qualität.

    Soweit die rechtliche Seite. Es stellt sich die Frage, wofür die Firma denn überhaupt haftet, ein Loch in die Erde zu bohren?

    Anscheinend wurde kein Brunnenbau in Auftrag gegeben.


    Brunnentechnisch lassen sich Deine Fragen leider nicht beantworten, da weder ein Schichtenverzeichnis noch ein Brunnenausbauplan vorliegen.

    Die Trübung des Wassers kann auch nicht beurteilt werden, da eine Wasseranalyse dazu fehlt.

    Gruss

    kg49

    Es fördert nicht die Problemlösung, wenn von Seiten der Ratsuchenden erst nach mehreren Tagen auf einen Forenbeitrag geantwortet wird, da dies häufig ein erneutes Einlesen in die Problemstellung erfordert.


    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar und vollständig beschrieben wird.


  • Vielen Dank für das Feedback.


    Es wurde laut Angebot bei der ausführenden Firma ein Trinkwasserbrunnen zur Versorgung des Hauses bestellt. Es gibt ein Angebot samt Beilage, in welchem der Passus hinsichtlich Fördermenge & Qualität hinterlegt ist. Ein Lasten- bzw. Pflichtenheft udgl. liegt leider nicht auf. Die Vorlage eines Bohrprofils bzw. Ausbausplans wird nicht dezidiert erwähnt, die Geologin der Firma hat jedoch schriftlich zugegeben, dass ein Fehlen dieser Dokumente unseriös sei und so keinerlei Einschätzungen zur aktuellen Problematik getroffen werden können.

  • ein Trinkwasserbrunnen zur Versorgung des Hauses bestellt.

    in welchem der Passus hinsichtlich Fördermenge & Qualität hinterlegt ist.

    Nach der Bestellung sollte das Wasser aber schon Trinkwasserqualität haben, oder?

    Man sollte zuerst die Wasseranalyse abwarten um zu sehen, ob die Wasserproben der österreichischen Trinkwasserverordnung entsprechen.

    Gruss

    kg49

    Es fördert nicht die Problemlösung, wenn von Seiten der Ratsuchenden erst nach mehreren Tagen auf einen Forenbeitrag geantwortet wird, da dies häufig ein erneutes Einlesen in die Problemstellung erfordert.


    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar und vollständig beschrieben wird.


Brunnen selber bauen