Anfängerhilfe beim Brunnen reaktivieren

  • Moin zusammen,


    ich habe vor ca. 3 Jahren ein Haus gekauft. Mittlerweile ist der Stand drinnen so, dass man sich dann auch eingehender um das Draußen kümmern kann.

    In unserer Doppelgarage befindet sich ein Brunnen, dessen Rohr (Innendurchmesser ca. 4cm und ein innen liegendes Gewinde) ca. 10 cm aus dem Boden ragt.

    Laut dem Vorbesitzer sei das ein Brunnen, der er auch selbst genutzt hatte, sagte allerdings damals auch, dass das Wasser wohl "rostig" sei (Was auch immer das bedeutet).

    Da mir das Trinkwasser auf Dauer zu kostbar ist für die Gartenbewässerung und ich diese mittlerweile auch weitestgehend eingestellt habe, möchte ich gerne den Grundwasserbrunnen nutzen.

    Nun einige Fragen vom absoluten Anfänger, der auch keine Ahnung von Rohren, Standardmaßen, Pumpen, etc... hat:

    - Was muss unternommen werden, um diesen Brunnen wieder in Betrieb zu nehmen?

    - Was wird benötigt um diesen Brunnen wieder in Betrieb zu nehmen?

    - Wie ermittelt man die Tiefe des Brunnens am besten?

    - Was für eine Pumpe nutzt man am besten?


    Ich habe mal zwei Bilder vom aus dem Boden ragenden Rohr beigefügt.


    Viele Grüße aus Stuhr bei Bremen

    trooney

  • Du ermittelst die Tiefe, indem Du ein Lot in das Brunnenrohr hinablässt.

    Genauso ermittelst Du die Tiefe des Grundwasserspiegels.

    Gruss

    kg49

    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar formuliert und vollständig beschrieben wird.


    Dazu gehört hier im Forum vor allem die Beschreibung der Randbedingungen eines zu lösenden Problems,

    also z.B. Schichtenverzeichnis, Brunnenausbauplan, genaue Typenbezeichnung der Pumpe.

    Wenn Daten nicht zur Verfügung stehen, sollte das auch angegeben werden.

  • Moin,


    okay, haben uns nun provisorisch mal eine Art Lot gebastelt. Wir haben eine ungefähre Gesamttiefe von 12m gemessen. Wasser kam nach ca. 2m bereits. Also einen Wasserstand von ca. 10m.

    Der Faden war recht rötlich, wahrscheinlich der vom Vorbesitzer beschriebene "Rost".


    Wie geht man jetzt weiter vor?

  • Du ermittelst, ob der Brunnen noch Wasser liefert oder ob der Filter bereits zu ist. Bei dem Eisen im Wasser kann das leicht und schnell passieren. Nennt man verockern.

    Dazu giesst Du mit einer Giesskanne oder Eimer Wasser in das Rohr. Läuft das Wasser sofort im Rohr weg, ist das ein gutes Zeichen, läuft das Rohr über, ist der Filter zu.

    Mmal eine ganz andere Frage:

    Aus meiner Berufszeit ist mir noch gut in Erinnerung, dass die Delegation eines der wichtigsten Tugenden war, um sich das Schwarmwissen des Teams nutzbar zu machen und um ganz einfach sich von (evtl.) unangenehmen Tätigkeiten zu entlasten.

    Delegierst Du gern?

    Ich habe das Gefühl, dass Du noch nicht eine Seite hier Forumsarchiv gelesen hast, um Antworten auf Deine Fragen zu finden.

    All das, was Du wissen möchtest, ist schon zig Mal hier im Forum durchgekaut worden, weil es einfach zu den Grundlagen des Brunnenbaus bzw. dessen Inbetriebnahme gehört.


    Als nächstes, wenn der Brunnen Wasser schluckt, brauchst Du eine Saugpumpe. Sieh mal zu, ob Du Dir für die ersten Tests eine leihen kannst.

    Wenn nicht, musst Du kaufen, dabei ist folgendes zu beachten:


    Pumpenstärke


    Wählt man ohne nähere Kenntnisse oder mit einer schlechten Beratung eine Pumpe aus, so gibt es für deren Stärke drei Möglichkeiten:


    Zu stark,

    zu schwach,

    zufällig genau richtig.


    Um dem Zufall auf die Sprünge zu helfen und um eine optimale Auswahl treffen zu können, muss man zwei Werte bestimmen:

    • Die maximale Wassermenge, die die Pumpe pro Zeiteinheit liefern soll
    • Den erforderlichen Wasserdruck, der am Pumpenausgang bei der unter (1.) bestimmten Wassermenge anliegen muss.

    Am einfachsten ist dabei die Bestimmung der Wassermenge.

    Jeder renommierte Sprinklerhersteller gibt den Druck und die Wassermenge an, die für die Beregnung einer Fläche erforderlich ist. Bei unbekannten Verbrauchern kann man die Wassermenge mit Hilfe des Hausnetzes und einem Durchflussmesser (Wasseruhr) bestimmen oder auf Erfahrungswerte zurückgreifen (Eimerfüllmethode). Allerdings ist die Anschaffung einer Wasseruhr sowieso auch für später sehr nützlich.

    Unter Beachtung des Gleichzeitigkeitsfaktors erhält man nun eine bestimmte Wassermenge, z.B. 1800 L/h bzw. 1,8 m³/h.


    Die Bestimmung des erforderlichen Pumpendrucks ist etwas aufwändiger. Hier müssen drei verschiedene Faktoren berücksichtigt werden:

    • Druckverluste durch Höhenunterschiede
    • Druckverluste durch Wasserströmung
    • Betriebsdruck des Gerätes

    Die Druckverluste durch Höhenunterschiede bestimmt man durch den Höhenunterschied zwischen Grundwasserspiegel und dem höchsten Wasserentnahmepunkt (Die Tiefe, in der eine Tiefbrunnenpumpe hängt, spielt keine Rolle!).

    Beispiel: Grundwasserspiegel im Betrieb bei – 8m, höchster Entnahmepunkt + 13m, bezogen auf die Höhe des Brunnenkopfes bzw. dem Standort einer Saugpumpe. Daraus ergibt sich ein Höhenunterschied von 21m, was einem Druckverlust von 2,1 Bar entspricht.


    Druckverluste durch Wasserströmung bestimmen sich aus dem Querschnitt und Länge des Steig- (Ansaug-) rohres der Pumpe sowie aus Querschnitt und Länge der Verteilerleitungen.

    Die Berechnung ist so komplex, dass man diese nicht selbst durchführt, sondern auf Tabellen oder Berechnungprogramme zurückgreift. Z.B. www.druckverlust.de/onlinerechner .

    Hierbei muss nur beachtet werden, dass grundsätzlich der Innendurchmesser des Rohres eingegeben werden muss. Gerade bei PE Rohren führt das immer wieder zu Missverständnissen. PE 40 hat halt 32mm Innendurchmesser.

    Hat man Leitungen mit verschiedenen Durchmessern, so müssen diese einzeln berechnet und die Einzeldruckverluste am Schluss addiert werden.

    Zu den Druckverlusten der Leitungen kommen dann noch Druckverluste von Rückflussventilen, Wasseruhr, Filter, Presscontrol, Schieber, Hähne etc. hinzu. Hier kommt es auf Anzahl und Querschnitt an. Meistens kommt man mit einer Pauschalannahme von 0,5 – 1,5 Bar aus.


    Der Betriebsdruck des Gerätes (Sprenger etc.) steht im Datenblatt oder kann beim Hersteller angefragt werden.


    Diese Drücke von der Höhendifferenz, dem Strömungswiderstand und dem Betriebsdruck des angeschlossenen Gerätes werden addiert, z. B. erhält man 5,7 Bar.


    Kürzt man

    den Druck der Höhendifferenz mit PH

    den Druck des Strömungswiderstandes mit PS

    den Betriebsdruck eines Gerätes mit PB

    und den Druck des Arbeitspunktes mit PA

    ab, so gilt folgender einfacher Zusammenhang:


    PH + Ps + PB = PA


    Mit der im Beispiel angenommenen max. erforderlichen Wassermenge von 1,8m³/h erhält man jetzt den Arbeitspunkt der gesuchten Pumpe: 5,7 Bar / 1800L.


    Für diesen berechneten Arbeitspunkt ist jede Pumpe geeignet, deren Pumpenkennlinie genau durch diesen Punkt läuft.

    Man muss also bei Pumpen, die man aussuchen oder vergleichen will, die Pumpenkennlinien anschauen, ob sie (in etwa) durch diesen Punkt laufen.


    Oft geben Pumpenhersteller bei ihren Pumpenkennlinien einen Bereich an, in dem die Pumpe einen guten Wirkungsgrad hat. Dieser Bereich wird häufig durch zwei senkrechte Striche in der Pumpenkennlinie gekennzeichnet. Man sollte Pumpen bevorzugen, bei denen der berechnete Arbeitspunkt innerhalb dieses Bereiches liegt.


    Zuletzt darf man nicht vergessen sicherzustellen, dass der Brunnen überhaupt in der Lage ist, die berechnete Wassermenge zu liefern.


    Gruss

    kg49

    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar formuliert und vollständig beschrieben wird.


    Dazu gehört hier im Forum vor allem die Beschreibung der Randbedingungen eines zu lösenden Problems,

    also z.B. Schichtenverzeichnis, Brunnenausbauplan, genaue Typenbezeichnung der Pumpe.

    Wenn Daten nicht zur Verfügung stehen, sollte das auch angegeben werden.

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