Bohrbrunnen Falkensee/Staaken, Mittelsand, Planung

  • Hallo, gibt es hier jemanden aus Falkensee/Staaken? Freue mich über Erfahrungsausstausch.


    Das Havelland westlich von Berlin ist erfahrungsgemäss sehr sandig, keine Kiesschicht, keine Steine, anscheinend gibt es in Falkensee bereits Brunnen mit 0,3mm Filterschlitzen.


    Grundwasser: 6m

    Boden laut Bodengutachten bei 6m: Mittelsand (stark grobsandig, schwach feinsandig, schwach feinkiesig), auf den ersten 6 Metern nimmt der Feinsandanteil kontinuierlich ab.


    Der Plan:

    Kein grösseres Arbeitsrohr und Kiesschüttung,

    Rohr 115mm, 1m Sumpfrohr, 2m Filter (0,3mm Filterschlitze für Mittelsand), 8m Vollrohr, Tonpellets, Saugpumpe mit Saugschlauch 7m, Ventilen und Filter, Gartenwasserpumpe Qmax 2,5m3/h, zur Versorgung von 2 gleichzeitigen Rasensprengern, max ca.1,6-2,4m3/h

    Zeichnung anbei.


    Eure Erfahrungen hätte ich gerne zu folgenden Fragen:


    - Würdet ihr das auch so planen?


    - Für Mittelsand (stark grobsandig, schwach feinkiesig und schwach feinsandig) am besten 0,3mm Filterschlitze nehmen?


    - Mittelsand ist bei 6m, Beginn der Filterstrecke ist erst bei 8m. Erst bis 10m heruntergehen und dann entscheiden ob 0,5mm auch reicht erscheint mir als nicht wirklich sinnvoll, oder?


    - Wie ist die tatsächliche Wassermenge in Sand? 1,85m3/h /Meter wäre ja bei 0,3mm der Idealwert. 70%, 50%, 30%?


    - Glattwand- oder Muffenrohr?


    - Verkauft jemand in der Gegend Havelland/Berlin/Brandenburg Bohrer/Kiespumpe/Plunscher?


    Danke für eure Tipps!


    Viele Grüsse :)

  • Hallo Bau,

    bei so viel Sand solltest du auf jeden Fall mit einem Arbeitsrohr arbeiten, sonst bekommst du später keinen Filterkies um dein Brunnenrohr. Mit 0,3 mm gehst du auf Nummer sicher.


    Wie ist die tatsächliche Wassermenge in Sand? 1,85m3/h /Meter wäre ja bei 0,3mm der Idealwert. 70%, 50%, 30%?

    du solltest dir erst einmal Gedanken machen wie du den Sand vom Brunnenrohr fern hältst.

  • Erst bis 10m heruntergehen und dann entscheiden ob 0,5mm auch reicht

    Das erfordert zwingend den Einsatz eines Arbeitsrohres.

    auf den ersten 6 Metern nimmt der Feinsandanteil kontinuierlich ab.

    Sollte dies zutreffen, ist kein Arbeitsrohr erforderlich.

    Zum Bohren mit oder ohne Arbeitsrohr mal folgender Artikel:


    Filterrohre und Kiesschüttung

    Es wird viel zu viel gebuddelt und viel zu wenig nachgedacht beim hobbymässigen Brunnenbau. Und manche "Profis" denken auch zu wenig.

    Im Prinzip gilt grundsätzlich (Ausnahmen bestätigen die Regel, die zu schildern wäre zu umfangreich):

    Ein "profimässig" erstellter Bohrbrunnen wird immer mit einem Arbeitsrohr errichtet, damit eine Kiesschüttung auf das Schichtenverzeichnis abgestimmt werden kann.

    Das Filterrohr hat dabei nicht die Aufgabe zu filtern, sondern ist Gerüst für die filternde Kiesschicht. Zwischen Arbeitsrohr und Brunnenrohr muss genügend Platz sein, um eine wirksame Filterkiesschicht schütten zu können.

    Alternativ dazu gibt es im Fachhandel (kein Baumarkt) sogenannte Kiesklebefilter oder Kiesbelagfilter (sehr teuer, aber gut), die man statt einer Kiesschüttung verbauen kann.

    Die Abstimmung von Filterkies oder Kiesklebefilter auf die Bodenschicht ist eine komplexe Überlegung, die sehr umfangreich werden kann, um maximale Ergebnisse zu erzielen.

    Da hobbymässig erstellte Brunnen nicht der Wasserversorgung von Stadtteilen dienen, können hier Abstriche an das maximal Mögliche gemacht werden.

    Will man ohne Arbeitsrohr arbeiten, ändern sich die Verhältnisse gravierend.

    Jetzt dient das Filterrohr nicht mehr als Traggerüst für eine genau abgestimmte Kiesfilterschicht, sondern als Traggerüst für das Erdreich um die Filteröffnungen.

    Da man meistens nicht weiss, wie sich das Erdreich zusammensetzt, bleibt einem nichts anderes übrig, als die kleinste Schlitzweite zu nehmen und zu hoffen, dass das passt.

    Generell gilt:

    Ist der Boden um die Filter zu fein, so gehen die Körner durch die Filterschlitze und der Brunnen wird ständig Sand führen.

    Haben die Bodenkörner die gleiche Grösse wie die Filterschlitze, so werden diese in einem hohen Umfang verstopfen und den Wassereintritt stark verringern.

    Nur wenn die Körner grösser als die Filterschlitze sind, können sie sich wie eine Filterkiesschüttung an das Filterrohr anlegen.

    Nun besteht der Boden ja nicht aus gewaschenem und gesiebten Sand bzw. Kies, sondern es sind alle möglichen Korngrössen in einer Probe zu finden. Deswegen muss man einen Esslöffel getrockneten Boden auf mm-Papier streuen, um ihn beurteilen zu können.

    Die grösseren Körner sollten grösser als die Filterschlitze sein, die kleineren, das sogenannte Unterkorn, sollte kleiner als die Schlitze sein.

    Falls Filterkies geschüttet wird, muss dieser unter Berücksichtigung dieser Überlegungen ausgewählt werden. Filterkies ist idealerweise fast kugelförmig, Splitt ist auf jeden Fall ungeeignet.

    Beim Klarpumpen eines Brunnens wird im Idealfall das Unterkorn durch die Schlitze abgepumpt, im Laufe der Zeit immer weniger und der Brunnen wird sandfrei.

    Ob man nun ein Arbeitsrohr setzt, mit Kiesschüttung oder Kiesklebefiltern arbeitet, oder das Rohr direkt abteuft, muss jeder Hobbybrunnenbauer selbst entscheiden.

    Manchmal sind Erfahrungen der unmittelbaren Nachbarschaft oder Schichtenverzeichnisse der zuständigen Ämter nützlich. Sie sind aber nie(!) eine Garantie für den Boden,den man dann tatsächlich antrifft. Innerhalb weniger Meter können sich die Bodenverhältnisse massiv verändern.


    Bei den geschilderten Bodenverhältnissen sollte der Feinsand durch Klarpumpen zu beseitigen sein. Für die angedachte Wasserentnahmemenge sollten 2m Filterrohr reichen, wenn die Filterstrecke tatsächlich in Mittelsand steht.

    Gruss

    kg49

    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar formuliert und vollständig beschrieben wird.


    Dazu gehört hier im Forum vor allem die Beschreibung der Randbedingungen eines zu lösenden Problems,

    also z.B. Schichtenverzeichnis, Brunnenausbauplan, genaue Typenbezeichnung der Pumpe.

    Wenn Daten nicht zur Verfügung stehen, sollte das auch angegeben werden.

  • Hallo Bau,

    bei so viel Sand solltest du auf jeden Fall mit einem Arbeitsrohr arbeiten, sonst bekommst du später keinen Filterkies um dein Brunnenrohr. Mit 0,3 mm gehst du auf Nummer sicher.


    du solltest dir erst einmal Gedanken machen wie du den Sand vom Brunnenrohr fern hältst.

    Ich habe keine eigenen Erfahrungen, nur alles gelesen was ich finden konnte. Demnach wäre eine Kiesschicht der perfekte Weg, aber sie sollte wohl 80mm dick sein. 80mm mal 2 plus Brunnenrohr wäre ein Arbeitsrohr mit mindestens 200mm, was für Selbstbauer nur schwer zu schaffen ist, lese ich. Daher habe ich mich für die Strategie entschieden ein 115mm Rohr zu nehmen und sehr vorsichtig freizupumpen. Im äussersten Notfall wenn es sich gar nicht freipumpen lassen sollte bleibt dadurch ein 80mm Rohr mit Feinsandfilter hineinzustellen.


    Weiter lese ich dass eine Kiesschicht für Sand aus Feinkies 0,7-1,2 mm besteht, also in etwa wie der vermutlich auch im Filterbereich vorhandene Grobsandanteil, was mich darin bestärkt es ohne Kiesschicht zu versuchen.
    Josch, ich bin sehr dankbar für deinen Input auch wenn ich mich anders entscheide.

  • Das erfordert zwingend den Einsatz eines Arbeitsrohres.

    Ich dachte vielleicht gehen manche auf 10m, analysieren den Sand, ziehen das Rohr wieder heraus, kaufen den passenden Filter und fangen von vorne an. Aber danke, die Frage ist damit beantwortet.

  • Bei den geschilderten Bodenverhältnissen sollte der Feinsand durch Klarpumpen zu beseitigen sein. Für die angedachte Wasserentnahmemenge sollten 2m Filterrohr reichen, wenn die Filterstrecke tatsächlich in Mittelsand steht.

    Vielen Dank für deine Erfahrung und den umfangreichen Artikel. Diese Einschätzung hilft mir sehr.

  • In dem Boden? Generell kein Problem, nur halt eine Menge Abraum.

    Aber warum eine Saugpumpe? Eine Tiefbrunnenpumpe ist doch viel aufgeräumter und vor allem nahezu lautlos.

    Aha, also kein Problem in Sandboden. Danke Toenne. Würdest du es trotzdem ohne Arbeitsrohr und Kiesschicht versuchen?

    Eine Saugpumpe habe ich erstmal nur eingeplant, weil sie bereits vorhanden ist. Du hast Recht, eine Tiefbrunnenpumpe ist sicher besser. Werde ich später vielleicht umstellen, genug Platz bietet DN115.

  • Würdest du es trotzdem ohne Arbeitsrohr und Kiesschicht versuchen?

    Ich schon, das sollte aber nicht dein Maßstab sein.

    Was ich aber auf jeden Fall täte wäre die Filterstrecke deutlich zu verlängern, jeder Meter hilft. Und auch tiefer damit beginnen da in Zukunft eher nicht steigende Grundwasserstände und eine höhere Ergiebigkeit zu erwarten sind.

    Wie du hier sicherlich schon gelesen hast sollte die Filterstrecke immer mit Wasser überdeckt sein, da sind deine 2m Differenz zwischen aktuellem Grundwasserstand und Filteroberkante für die Zukunft betrachtet für meinen Geschmack deutlich zu wenig. Zumal eine Tiefbrunnenpumpe üblicherweise in diesem Bereich hängt und diese natürlich auch immer komplett mit Wasser überdeckt sein soll, und je nach Ergiebigkeit deines GWL sinkt der Grundwasserstand beim Pumpen prinzipbedingt immer noch mehr oder weniger stark ab.

    Wenn man schon so angenehme Bodenverhältnisse hat würde ich das auch ausnutzen um sich später nicht zu ärgern.

  • Danke für deine ausführliche Antowrt.


    Ich schon, das sollte aber nicht dein Maßstab sein.

    Richtig, wenn jemand dringend davon abrät würde ich meine Vorgehensweise nochmal überdenken.


    Zum Grundwasserstand:

    Vor 50 Jahren war die ganze Gegend hier noch sumpfig, der Grundwasserstand einige Meter weniger tief. Hausfundamente baut man hier oft mit Bodenwanne, weil der Grundwasserspiegel wieder steigen könnte. Der nächste kleine See ist 100m entfernt, in 1km Umkreis befinden sich mehrere weitere Seen. Das nächste Wasserwerk ist 2km entfernt. Aufgrund des Wasserwerks ist der Grundwasserstand jetzt bei 6m, es gibt seit 30 Jahren zusätzliche Versickerungsseen des Wasserwerks, damit der Grundwasserspiegel nicht weiter absinkt. (und die Badeseen trocken werden ;)).

    Ich gehe also davon aus dass der Grundwasserspiegel so bleibt oder auch etwas steigen könnte, daher hatte ich Ansaugen 1m über der Filterstrecke und 1m Reserve.

    Ein Meter Rohr mehr wäre auch kein übermässiger Aufwand, allerdings wäre das auch jederzeit später noch einfach machbar. Wieviel der Wasserspiegel im Rohr absinkt kann ich vorher natürlich überhaupt nicht abschätzen.

    -> Ich denke nochmal drüber nach, ich glaube ich werde vorsichtig sein und dann 3m einplanen.


    2m Filterstrecke habe ich nach den Durchflussmengen dimensioniert, die ich gefunden habe. Wie man abschätzt wieviel Wasser im Sand tatsächlich durchkommt habe ich nicht finden können. Eine Verlängerung der Filterstrecke später wäre sehr aufwändig. Daher nehme ich deinen Rat gerne an und erweitere auf 3m. Oder noch mehr?


    Wenn man schon so angenehme Bodenverhältnisse hat würde ich das auch ausnutzen um sich später nicht zu ärgern.

    Ja, sehe ich auch so.

  • allerdings wäre das auch jederzeit später noch einfach machbar.

    Du wirst dich wundern...wenn sich so ein Rohr erstmal gesetzt hat...

    Aber vor allem: Jetzt (bzw. wann immer du die Bohrung beginnst) ist die Baustelle eingerichtet, man hat alle notwendigen Materialien und Werkzeuge zur Hand, ob der Garten nun eine Woche kürzer oder länger verwüstet wird spielt auch keine Rolle, und wenn es abwärts geht ist die Motivation auch gross.

    Ob das in ein paar Jahren auch noch so attraktiv ist damit nochmal neu zu beginnen...?

  • Du wirst dich wundern...wenn sich so ein Rohr erstmal gesetzt hat...

    Aber vor allem: Jetzt (bzw. wann immer du die Bohrung beginnst) ist die Baustelle eingerichtet, man hat alle notwendigen Materialien und Werkzeuge zur Hand, ob der Garten nun eine Woche kürzer oder länger verwüstet wird spielt auch keine Rolle, und wenn es abwärts geht ist die Motivation auch gross.

    Ob das in ein paar Jahren auch noch so attraktiv ist damit nochmal neu zu beginnen...?

    Gutes Argument!

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