Integration eines Schachtbrunnens in ein Bewässerungssystem

  • Hallo liebes Forum,


    ich möchte mich zu Beginn für die ganzen Tipps bedanken, die mir als stiller Mitleser extremst geholfen haben. Ich habe dank der vielen Beiträge hier den Weg des Brunnenbaus gewagt.


    165er Bohrer beim Erdbohrer bestellt und im Garten angefangen zu bohren. Nach 4m war Schluss - Lehmschiefer mit der Hand nicht mehr zu machen. Aber siehe da, nach einem Tag 1m Wasserstand im Bohrloch.

    Also Schachtringe DN1000 bestellt und 5m (unten 2m gelocht) davon versenkt. Mit Bohrhammer und Tauchpumpe ging doch einiges mehr. Wasserstand derzeit 1,5m. Es handelt sich um Schichtenwasser, also wenn leer dann erstmal kein Wassser mehr. Nach einem Tag ist der Brunnen wieder voll. Ich möchte daneben gerne eine (oder 2) Zisterne mit 9200l stellen, die als Puffer für Regenwasser und den Brunnen dient.

    Es liegt auf dem Grundstück eine Ringleitung (60m). Davon abgehend mehrere Rohre mit Wassersteckdosen und Wasserhähnen für Vorgarten, Gewächshaus, Gartenhaus. Insgesamt 100m 25er PE-Rohr.

    Geplant ist zusätzlich eine Rasenbewässerung mit 32er PE-Rohr im zentralen Gartenbereich (Länge über alles 50m). Bis zum Brunnen/Zisterne liegen 400V/230V/KNX im KG-Leerrohr. Jetzt stehe ich vor mehreren Fragen:


    1. Gibt es eine Möglichkeit nur eine einzige Pumpe für Brunnen und Zisterne einzusetzen die alle Kreise aus der Zisterne speist und sich aus dem Brunnen Wasser holt? Wenn nicht wäre ich über Tauchpumpenvorschläge (leise) für Zisterne und Brunnen dankbar. (Preis bis 500€ je Pumpe oder 1000€ für eine einzelne)

    2. Die Bewässerung soll auch über einen Tropfschlauch insg. max. 70m (Beete, Vorgarten, Gewächshaus) erfolgen. Was wäre eine einfache Möglichkeit, diesen an die 25er Ringleitung anzuschließen und diese, wenn möglich sogar automatisch, zu regeln ohne dass es immer tropft, sobald Druck auf der Leitung ist.

    3. Für die Tröpfchenbewässerung halte ich einen Ausgleichsbehälter für sinnvoll (notwendig?). Wo platziert man diesen am besten? in der Zisterne ist dafür wenig Platz, im Brunnen hätte ich gerne auf 1,5m eine Art Plattform in den Ringen dort könnte man doch einen solchen frostfrei unterbringen oder? Schon mal jemand eine solche Plattform gebaut?


    Ich weiß, viele Fragen und verwinkeltes Projekt. Würde mich dennoch freuen, wenn die Erfahrenen User hier mal Erfahrungen übermitteln könnten.


    Besten Dank


    Alex

  • Da Du allgemein nach Pumpen fragst, solltest Du Dich erst einmal über die prinzipielle Dimensionierung von Pumpen informieren:


    Pumpenstärke


    Wählt man ohne nähere Kenntnisse oder mit einer schlechten Beratung eine Pumpe aus, so gibt es für deren Stärke drei Möglichkeiten:


    Zu stark,

    zu schwach,

    zufällig genau richtig.


    Um dem Zufall auf die Sprünge zu helfen und um eine optimale Auswahl treffen zu können, muss man zwei Werte bestimmen:

    • Die maximale Wassermenge, die die Pumpe pro Zeiteinheit liefern soll
    • Den erforderlichen Wasserdruck, der am Pumpenausgang bei der unter (1.) bestimmten Wassermenge anliegen muss.

    Am einfachsten ist dabei die Bestimmung der Wassermenge.

    Jeder renommierte Sprinklerhersteller gibt den Druck und die Wassermenge an, die für die Beregnung einer Fläche erforderlich ist. Bei unbekannten Verbrauchern kann man die Wassermenge mit Hilfe des Hausnetzes und einem Durchflussmesser (Wasseruhr) bestimmen oder auf Erfahrungswerte zurückgreifen (Eimerfüllmethode). Allerdings ist die Anschaffung einer Wasseruhr sowieso auch für später sehr nützlich.

    Unter Beachtung des Gleichzeitigkeitsfaktors erhält man nun eine bestimmte Wassermenge, z.B. 1800 L/h bzw. 1,8 m³/h.


    Die Bestimmung des erforderlichen Pumpendrucks ist etwas aufwändiger. Hier müssen drei verschiedene Faktoren berücksichtigt werden:

    • Druckverluste durch Höhenunterschiede
    • Druckverluste durch Wasserströmung
    • Betriebsdruck des Gerätes

    Die Druckverluste durch Höhenunterschiede bestimmt man durch den Höhenunterschied zwischen Grundwasserspiegel und dem höchsten Wasserentnahmepunkt (Die Tiefe, in der eine Tiefbrunnenpumpe hängt, spielt keine Rolle!).

    Beispiel: Grundwasserspiegel im Betrieb bei – 8m, höchster Entnahmepunkt + 13m, bezogen auf die Höhe des Brunnenkopfes bzw. dem Standort einer Saugpumpe. Daraus ergibt sich ein Höhenunterschied von 21m, was einem Druckverlust von 2,1 Bar entspricht.


    Druckverluste durch Wasserströmung bestimmen sich aus dem Querschnitt und Länge des Steig- (Ansaug-) rohres der Pumpe sowie aus Querschnitt und Länge der Verteilerleitungen.

    Die Berechnung ist so komplex, dass man diese nicht selbst durchführt, sondern auf Tabellen oder Berechnungprogramme zurückgreift. Z.B. www.druckverlust.de/onlinerechner .

    Hierbei muss nur beachtet werden, dass grundsätzlich der Innendurchmesser des Rohres eingegeben werden muss. Gerade bei PE Rohren führt das immer wieder zu Missverständnissen. PE 40 hat halt 32mm Innendurchmesser.

    Hat man Leitungen mit verschiedenen Durchmessern, so müssen diese einzeln berechnet und die Einzeldruckverluste am Schluss addiert werden.

    Zu den Druckverlusten der Leitungen kommen dann noch Druckverluste von Rückflussventilen, Wasseruhr, Filter, Presscontrol, Schieber, Hähne etc. hinzu. Hier kommt es auf Anzahl und Querschnitt an. Meistens kommt man mit einer Pauschalannahme von 0,5 – 1,5 Bar aus.


    Der Betriebsdruck des Gerätes (Sprenger etc.) steht im Datenblatt oder kann beim Hersteller angefragt werden.


    Diese Drücke von der Höhendifferenz, dem Strömungswiderstand und dem Betriebsdruck des angeschlossenen Gerätes werden addiert, z. B. erhält man 5,7 Bar.


    Kürzt man

    den Druck der Höhendifferenz mit PH

    den Druck des Strömungswiderstandes mit PS

    den Betriebsdruck eines Gerätes mit PB

    und den Druck des Arbeitspunktes mit PA

    ab, so gilt folgender einfacher Zusammenhang:


    PH + Ps + PB = PA


    Mit der im Beispiel angenommenen max. erforderlichen Wassermenge von 1,8m³/h erhält man jetzt den Arbeitspunkt der gesuchten Pumpe: 5,7 Bar / 1800L.


    Für diesen berechneten Arbeitspunkt ist jede Pumpe geeignet, deren Pumpenkennlinie genau durch diesen Punkt läuft.

    Man muss also bei Pumpen, die man aussuchen oder vergleichen will, die Pumpenkennlinien anschauen, ob sie (in etwa) durch diesen Punkt laufen.


    Oft geben Pumpenhersteller bei ihren Pumpenkennlinien einen Bereich an, in dem die Pumpe einen guten Wirkungsgrad hat. Dieser Bereich wird häufig durch zwei senkrechte Striche in der Pumpenkennlinie gekennzeichnet. Man sollte Pumpen bevorzugen, bei denen der berechnete Arbeitspunkt innerhalb dieses Bereiches liegt.


    Zuletzt darf man nicht vergessen sicherzustellen, dass der Brunnen überhaupt in der Lage ist, die berechnete Wassermenge zu liefern. Ansonsten muss die Pumpe über einen Trockenlaufschutz o.ä. gesteuert werden.


    Alle anderen Wünsche lassen sich über elektromagnetisch gesteuerte Ventile realisieren.

    Gruss

    kg49

    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar formuliert und vollständig beschrieben wird.


    Dazu gehört hier im Forum vor allem die Beschreibung der Randbedingungen eines zu lösenden Problems,

    also z.B. Schichtenverzeichnis, Brunnenausbauplan, genaue Typenbezeichnung der Pumpe.

    Wenn Daten nicht zur Verfügung stehen, sollte das auch angegeben werden.

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