kurze Fragen eines Neulings, Bohren oder Plunschen, idealer Durchmesser Brunnenrohr

  • Hallo,


    ich plane im Sommer meinen ersten Brunnen im Garten zu Bohren.
    Habe schon einiges gelesen, aber natürlich noch ein paar Fragen an die Experten.
    Wasserverbrauch schätze ich mit 100m3 / Jahr


    Verhältnisse:
    - obere Schicht Lehmhaltig
    - dann kommt Schluff mit Feinsand
    - dann kommt Schluff (PLeistozän)
    - dann Schicht Grundwasser ab ~4-6m (Schluff PLeistozän)
    - dann Feinsand mit Schluff und Mittelsand (PLeistozän)
    so steht es im Plan vom Nachbarn


    Ich habe jetzt folgendes geplant


    - erst mal bis zum Grundwasser mit 150mm zu Bohren
    - ein KG Rohr mit 150mm dort abzusenken (soll als Schutz zum Einsturz dienen)
    - dann wollte ich ein Brunnenrohr dort reinlassen und noch ca. 1,5m weiter zu versenken.


    Habe mir schon einige Videos dazu angesehen, da graut mir doch ziemlich vor. Deshalb dazu ein paar Fragen:


    - ich denke desto kleiner das Brunnerohr desto einfacher geht das, würden denn wohl 100mm Durchmesser bei mir reichen?
    - hatte schon überlegt, ob man nicht einfach unterhalb des Bunnenrohr einen Erdbohrer befestigt und dann einfach (in "") das ganze Rohr mit dem Bohrer in die Grundwasserschicht reindreht. Hat das schon mal jemand probiert?
    - oder könnte man von oben einfach Wasser in das Rohr pressen und das Rohr dann drehen
    - vielleicht kann man das auch Spülen, ähnlich wie hier: How to Drill Your Own Water Well


    Bin für alle Tipps und Erfahrungen dankbar.


    Viele Grüße
    rolfie

  • Für einen Bohrbrunnen reicht Deine Planung mit 150mm bis zum Grundwasser zu bohren und dann ein 100 Rohr einzuplunschen.
    Nur Deine geplante Tiefe reicht nicht aus.
    Bei 1m Sumpfrohr, 2m Filter und mindestens 1m Abstand Pumpe bzw. Saugöffnung zum Filter musst Du mindestens 4 - 5m unter Grundwasserstand. Dabei sind grössere Pegelschwankungen noch nicht berücksichtigt.


    Spülbrunnen sind möglich, wenn man gute Beziehungen zur FFW hat, ich habe aber selbst keine praktischen Erfahrungen damit. Auf Youtube gibt es allerdings Filme dazu.
    Gruss
    kg49

    Es fördert nicht die Problemlösung, wenn von Seiten der Ratsuchenden erst nach mehreren Tagen auf einen Forenbeitrag geantwortet wird, da dies häufig ein erneutes Einlesen in die Problemstellung erfordert.


    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar und vollständig beschrieben wird.


  • Für einen Bohrbrunnen reicht Deine Planung mit 150mm bis zum Grundwasser zu bohren und dann ein 100 Rohr einzuplunschen.
    Nur Deine geplante Tiefe reicht nicht aus.
    Bei 1m Sumpfrohr, 2m Filter und mindestens 1m Abstand Pumpe bzw. Saugöffnung zum Filter musst Du mindestens 4 - 5m unter Grundwasserstand. Dabei sind grössere Pegelschwankungen noch nicht berücksichtigt.


    Spülbrunnen sind möglich, wenn man gute Beziehungen zur FFW hat, ich habe aber selbst keine praktischen Erfahrungen damit. Auf Youtube gibt es allerdings Filme dazu.
    Gruss
    kg49


    Das hört sich ja schon ganz gut an.
    Ist denn der Aufwand beim Plunschen direkt proportional dem Durchmesser von Brunnerohr, d.h. ist z.B. ein 80mm Rohr doppelt so einfach zu Plunschen wie z.B. ein 115 Rohr?
    Vor dem Plunschen habe ich (nach ein paar gesehenen Videos) einen gehörigen Respekt, bin auch nicht mehr der Jüngste :)


    Gruss
    rolfie

  • Eine Proportionalität zwischen Brunnenrohrdurchmesser und Aufwand besteht nicht.


    Möchtest Du es mathematisch betrachten, also die Funktion Aufwand = f (Durchmesser erstellen), so müsste erst mal der Begriff Aufwand definiert werden. Mathematisch könnte vereinfacht damit der Kraftaufwand bezeichnet werden.
    Da sich die Kraft beim Plunschen ausschliesslich (bei gleicher Kiespumpe) aus dem herauszuholenden Material ergibt und dieses vom Volumen abhängig ist, erhält man folgende Aufwandsfunktion:
    Aufwand = f (r) = r² x Pi x h, mit r = Radius des Brunnenrohrs, h = Tiefe des Brunnens ab GOK.
    Also ein quadratischer Zusammenhang.


    Persönlich sehe ich die Höhe des Aufwandes weniger in der Grösse des geförderten Materials, sondern in der Wahrscheinlichkeit, auf einen Stein zu treffen.
    Diese ist jedoch in erster Linie von der Bodenzusammensetzung abhängig.
    Mathematisch ergibt sie sich aus der Zunahme der Fläche des Brunnenrohres, wobei hier wieder der schon berechnete quadratische Zusammenhang besteht:
    A = r² x Pi.
    Beträgt d = 80mm, so ist A ungefähr 5000mm², beträgt d = 100mm, so ist A ungefähr 7900mm², d.h. die Wahrscheinlichkeit steigt um ca. 58%, auf einen Stein zu treffen.
    Eine genauere Angabe ist nur möglich, wenn die Bodenzusammensetzung bekannt wäre.


    Trotzdem würde ich auf jeden Fall kein kleineres Rohr als 100mm setzen, anzustreben wären 115mm.
    Gruss
    kg49

    Es fördert nicht die Problemlösung, wenn von Seiten der Ratsuchenden erst nach mehreren Tagen auf einen Forenbeitrag geantwortet wird, da dies häufig ein erneutes Einlesen in die Problemstellung erfordert.


    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar und vollständig beschrieben wird.


    Edited 4 times, last by kg49 ().

  • Hallo kg49,


    vielen Dank, mit einer solchen wissenschaftlichen Auswertung hatte ich jetzt wirklich nicht gerechnet.
    Ich strebe dann mal Deinen Tipp mit den 100mm an. Ist wahrscheinlich ein guter Kompromiss.


    Sobald ich zum Grundwasser vorgedrungen bin Poste ich mal ein Bild von dem was sich dort auftut.
    Viellicht kannst Du mir dazu dann noch eine Ratschlag geben.


    Gruß
    rolfie

  • Hey,


    das kommt natürlich immer darauf an.


    ich selber verwende sowohl 4" Brunnenrohr, als auch 6" Brunnenrohr als Arbeitsrohr.


    den selben Hintergedanken hatte ich damals auch (weniger Material zu fördern und daher deutlich schneller zu sein).


    aus Erfahrung kann ich dir sagen, NICHT der Fall ist. Mit meiner 90mm Kiespumpe geht es in dem 160'er Röhr besser. Im 100'er verkantet sich die Pumpe teilweise und klemmt dann brachial. Das geht teilweise so weit, dass man mit der Pumpe das gesamte Rohr wieder ziehen muss.


    im größeren Arbeitsrohr lässt es sich entspannter plunschen!

    Standort: 29693 Aller Leine Tal
    Erstellter Brunnen: Borhrbrunnen, 150`er Arbeitsrohr, 125`er Brunnenrohr
    Bekannter Grundwasserstand: ca. 4,5 Meter
    Bodenverhältnisse: weicher Heidesand "Mollersand" ab 5 Meter feiner Kies
    Brunnentiefe: 10 Meter (1m Sumpfrohr, 2m Filter, 7m Brunnenrohr)

  • Hallo,


    konnte den ersten Teil erfolgreich abschließen:



    • in ~3,8m habe ich den unten dargestellten Stein gefunden
    • weiter gebohrt bis ~4,2m Tiefe, dann kam der Grundwasserbereich
    • die Proben ab ~4,2m habe ich unten dargestellt, scheint Lehm/Sand haltig mit Eisen zu sein
    • es befinden sich ab den 4,2m wohl auch einige Steine, konnte den Bohrer teilweise nicht weiter drehen und auch das dabei entstehende Geräusch hörte sich nach Steinen an
    • habe jetzt also ein Loch mit 200mm Durchmesser 4,2m Tief wo unten schon Wasser drinsteht.
    • bei einem Brunnen in ~ 50m Entfernung habe ich das unten stehende Bodenprofil gefunden
      Bereich Grundwasser 4,5m - 6m, dass passt ganz gut zu meinen 4,2m
    • deshalb vermute ich, dass bei mir der Bereich ähnlich ist, also ~ 1,5m Grundwasserbereich


    Frage an die Experten:



    • wie würdet ihr das Brunnenrohr aufteilen
    • dachte an 4m Rohr + 2m Filterbereich, benötige ich auch noch ein Sumpfrohr?
    • ich plane mit einem Hauswasserwerk das Wasser aus dem Brunnenrohr zu fördern



    Befürchtungen:




    • die Steine machen mir schon ziemlich Angst vor dem Plunschen, deswegen hadere ich auch noch mit dem richtigen / optimalen Durchmesser des Brunnerohres
    • die Erde aus dem Grundwasserbereich ist schon ziemlich fein, hoffentlich bekomme ich dann keine Probleme mit zusetzen des Filters
    • Filtergröße dachte ich an 0,3mm



    Bedanke mich schon im voraus für alle Anregungen!


    Gruss
    rolfie


    ~

  • Wie kann man das verstehen:


    Quote


    bei einem Brunnen in ~ 50m Entfernung habe ich das unten stehende Bodenprofil gefunden
    Bereich Grundwasser 4,5m - 6m,


    Ab 6m beginnt Feinsand. Da ist natürlich auch Grundwasser.


    Setze den Filter nicht in Schluff. Geh lieber weiter runter. Entscheide über den Filter erst, wenn Du weist, wie der Sand bei 8-9m gekörnt ist.

    -------
    Schacht-, Bohr-, Spülbrunnenhybrid
    60 cm Durchmesser, Filter durch Kies in der Sohle
    4,5 m tief, GW bei 3,5 m
    Pumpe: GARDENA 9000 aquasensor
    Anschluss z.Z. nur Gartenschlauch
    -------

  • Quote

    Ab 6m beginnt Feinsand. Da ist natürlich auch Grundwasser.


    Setze den Filter nicht in Schluff. Geh lieber weiter runter. Entscheide über den Filter erst, wenn Du weist, wie der Sand bei 8-9m gekörnt ist.


    ich verstehe die Zeichnung so, dass in dem Bereich von 4,5m-6m sich der Feinsand mit Schluff befindet und nicht ab 6m, hoffe verstehe das richtig.
    nur wie bekomme ich denn die Infos über die Beschaffenheit in 8-9m Tiefe?
    ich muss doch ab jetzt mit dem Brunnenrohr schon Plunschen, dass zieht man dann doch nicht mehr raus, oder?

  • Die Informationen über Deinen Schichtenaufbau bekommst Du, wenn Du mit einem Arbeitsrohr arbeitest, welches nach dem Setzen des Brunnenrohres wieder gezogen wird.
    Gruss
    kg49

    Es fördert nicht die Problemlösung, wenn von Seiten der Ratsuchenden erst nach mehreren Tagen auf einen Forenbeitrag geantwortet wird, da dies häufig ein erneutes Einlesen in die Problemstellung erfordert.


    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar und vollständig beschrieben wird.


  • Wollte jetzt nicht zusätzlich noch ein Arbeitsrohr setzen. Muss das Meiste alleine machen deshalb scheue ich den Aufwand.



    Dachte daran wie folgt von - unten nach oben - die Brunnerohre zusammen zu setzen:
    - 3m Filter 0,3mm *1
    - 4m normales Rohr
    -> dann würde ab dem Grundwasser Filterrohr sitzen und darüber normales Filterrohr




    *1) oder 1m Sumpfrohr und 2m Filter, aber mir leuchtet der Unterschied nicht wirklich ein. Im schlimmsten Fall würde sich doch der Filter unten zusetzen, dann wirkt er eben wie ein Sumpfrohr. Oder liege ich da falsch?



    Woanders habe ich noch gelesen, dass das Plunschen mit TNA Rohren wesentlich einfacher ist als mit Brunnenrohren mit Muffen, kann das jemand bestätigen.?


  • Schluff https://de.wikipedia.org/wiki/Schluff hat eine Korngröße von 0,002-0,063 mm. Da wirst Du mit einem 0,3mm Filter nicht glücklich. Du wirst entweder nur sehr wenig (ca. 100l/h) Wasser fördern oder dauerhaft Schluff fördern.


    Du musst tiefer bis in den Mittelsand.

    -------
    Schacht-, Bohr-, Spülbrunnenhybrid
    60 cm Durchmesser, Filter durch Kies in der Sohle
    4,5 m tief, GW bei 3,5 m
    Pumpe: GARDENA 9000 aquasensor
    Anschluss z.Z. nur Gartenschlauch
    -------

  • Schluff https://de.wikipedia.org/wiki/Schluff hat eine Korngröße von 0,002-0,063 mm. Da wirst Du mit einem 0,3mm Filter nicht glücklich. Du wirst entweder nur sehr wenig (ca. 100l/h) Wasser fördern oder dauerhaft Schluff fördern.


    Du musst tiefer bis in den Mittelsand.


    Dann würde so ein Filter wahrscheinlich auch nicht ausreichen Brunnenfilter LOTZE für feinsandige Böden DN 50 mm (2") Länge 1m
    bestehend aus einem hochporösen HDPE-Filterkörper.
    Die Poren des Mantels sind außen 80 µm (0,08 mm) und
    innen 150 µm (0,15 mm)

    Ich hatte schon mal zur Probe in dem feuchten Bereich weiter gebohrt. Bin dann wahrscheinlich auf die nächste Schicht gekommen (~6m). Das fühlte sich sehr hart an, kann mir kaum vorstellen dass ich da ohne Problem Plunschen kann.


    Ist es denn ein Problem wenn die Filterstecker zur Hälfte im Schluff und zu anderen in dem tiefer liegenden Mittesand legt?


    Quote

    Du wirst entweder nur sehr wenig (ca. 100l/h)


    Das wäre eine Menge die mir ggf. ausreichen würde. Nur würde das dann über Jahre problemlos laufen? oder setzt es sich dann irgendwann zu.


    Wäre es ggf. auch eine Option, einfach einen Rammbrunnen mit seinem Filter in den Mittelsand zu schlagen. Habe leider keine Erfahrungen damit wie schwer bzw. einfach das geht.
    Die Option Rammbrunnen hatte ich bis jetzt immer verworfen, weil man sagt die haben nur ein Lebensdauer von <5 Jahren


    Gruss
    rolfie

  • Schluff https://de.wikipedia.org/wiki/Schluff hat eine Korngröße von 0,002-0,063 mm. Da wirst Du mit einem 0,3mm Filter nicht glücklich. Du wirst entweder nur sehr wenig (ca. 100l/h) Wasser fördern oder dauerhaft Schluff fördern.


    Du musst tiefer bis in den Mittelsand.


    Stimmt, ich hab das bei mir auch gemerkt und ich hatte keinen Schluff, sondern nur sehr feinen Sand, das ist wie in einer Pfütze die ewig nicht versickert (nur eben andersherum)


    Du kannst das testen, indem Du ein paar Eimer Wasser oben rein schüttest und danach den Wasserstand auslotest bzw. wie lange es dauert bis er wieder auf Normalmaß ist.


    Wenn Du kein Arbeitsrohr nimmst, würde ich 3m 0,3 Filterrohr einplunschen und ab der Tiefe wo der Sand eine für den Filter passende Körnung aufweist diese 3m plus etwa 0,7 m für das Sumpfrohr weiterplunschen.


    Also das Filterrohr muss zwingend in einen Wasserleiter stehen, wenn ein halber Meter im Schluff steckt ist das aber sicher kein Problem.
    Falls Du das Glück hast mit dem Rohr bei Deiner Zieltiefe unten im groben Kies zu stehen, lass es offen und erspare Dir den Ärger mit dem Quellton.


    Ob Du so tief kommst und der Boden die Körnung beibehält bzw noch gröber wird (Kies) ist in dem Fall eine Überraschungspackung, dagegen hilft nur ein Arbeitsrohr.


    Viel Glück Bernd

Brunnen selber bauen