Planung Brunnen Sanierung/Neuanlage

  • Hallo liebe Brunnenexperten,


    ich wohne in der Nähe von Germersheim/Speyer, 2km vom Rhein entfernt und habe einen ca 30 Jahre alten Brunnen im Garten (100er KG Rohr, ca. 15m tief, weiteres leider unbekannt).


    Im Brunnenrohr ist nun Sand und Kies (bis ca. 8 mm Körnung) aufgestiegen, so dass ich kein Wasser mehr fördern kann. Ob unten etwas eingebrochen ist oder die Tonschicht am Ende des Rohres weg ist oder gar nie da war kann ich nicht sagen. Ich habe mit meiner Mini-Kiespumpe mal 50kg Kies rausgebaggert, hat zwei Tage gehalten.


    Jetzt habe ich folgenden drei Stufen Plan:

    1) Brunnen reinigen und wenn möglich Kamera ablassen

    Dazu habe ich eine größere Kiespumpe bestellt. Ich würde wenn möglich versuchen bis zum Ende des KG Rohres zu kommen und mal eine USB Kamera reinlassen. Mal schauen was man sieht. Wenn es dann ordentlich aussieht würde ich Ton reinschmeißen um das Rohr unten zu verschließen. Wenn es damit funktioniert bin ich zufrieden.


    2) Brunnen neu anlegen (das will ich aber nur einmal im Leben machen ;-) )

    Dazu würde ich ein 200mm KG Rohr als Arbeitsrohr versenken wollen und dann ein 7" Brunnenrohr darin ablassen. Diese Konstruktion soll bitte 40 Jahre halten, danach ziehe ich in ein schönes Heim mit Blick auf den Rhein und brauche kein Brunnenwasser mehr ;-)


    Dazu folgende Fragen:

    -Bekomme ich ein 200er KG Rohr 20m in den Kies oder ist das ein Himmelfahrtskommando? (ich erwarte ab dem ersten Meter und bis in ca 20 m im Wesentlichen Kies.)

    -Welchen Bohrer nehme ich für ein 200mm Rohr? Größer oder kleiner? Ich denke nicht, dass ein Loch im Kies bis zum Grundwasser ohne Rohr hält ohne zusammenzubrechen. Kann ich im Arbeitsrohr bohren und den Abraum nach oben rausziehen oder benötige ich dann schon Wasserauflage und Kiespumpe? Das erscheint mir dann kompliziert.

    -Man liest von verschrauben und verkleben der Rohre nach abschneiden der Muffen. Mit was klebe ich? Gibt es eine Produktempfehlung? Reicht das um das Arbeitsrohr sicher nach oben rauszuziehen oder muss ich an das untere Ende Stahlseile schrauben und durch das Rohr nach oben führen?

    -Gibt es für die maximale Entnahme aus einem 7" Rohr eine Faustformel für die pro m Filterrohr? Die Berechnung mit Pumpversuch habe ich gelesen. Ich hab aber ja noch gar nix, woraus ich pumpen könnte.

    -Hat ein großer Rohrdurchmesser abgesehen von Kosten und Arbeit weitere Nachteile oder ist größer immer besser?

    -Kann ich den neuen Brunnen 50 cm vom alten entfernt anlegen oder beeinflussen die sich? da die oberen 2 m Schacht mit großen Betonringen sind würde ich gerne da bleiben.


    3) Spülfilter

    Wenn alles schief geht kaufe ich mir ein Konvolut Einspülfilter und versenke die auf dem Gelände.


    Auch dazu Fragen:

    -Kann ich mehrere Spülfilter einfach oben zusammenschalten und eine einzige Pumpe dran hängen, um die Entnahmemenge zu steigern?

    -Gibt es anreihbare Einspülfilter, so dass ich zum Beispiel auf 4m Filterlänge komme?


    So, entschuldigt bitte diesen doch recht langen Beitrag. Über Anmerkungen würde ich mich freuen und verspreche schonmal zu berichten.


    Danke!

    Jan

  • Brunnen neu anlegen (das will ich aber nur einmal im Leben machen )

    Das ist das einzige Gescheite und sollte dann mehrere Generationen halten.

    Dazu muss man bereit sein, mit Brunnenrohr zu arbeiten.

    Zum einen, um professionelle Filter setzen zu können, zum anderen um mit Material zu arbeiten, welches dem Bodendruck gewachsen ist.

    Als Arbeitsrohr nimmt man dann Glattwandrohre mit TNA Gewinde, als Brunnenrohr dann "normales" Brunnenrohr.

    KG-Rohr hat im Brunnenbau nichts verloren, der Erfolg damit ist Glückssache. Dafür wäre mir meine Arbeitskraft zu schade.

    Gruss

    kg49

  • Danke für die Antwort...


    OK, bedeutet aber, ich brauche für ~800€ Glattwandrohre und nutze die als Arbeitsrohr und ziehe sie danach komplett wieder raus, richtig? (kann man ja dann weiter nutzen oder verkaufen, oder?)


    Vorher setze ich ein DN175 Brunnenrohr blau ein. Wird da dann ein Schuh draus? Oder machen die Dimensionen noch keinen Sinn?


    Ist dann ein Arbeitsrohr überhaupt relevant oder ist in der Rheinebene ohne Lehm und so dann sinnvoller direkt das Brunnenrohr zu setzen?


    Danke

    Jan

  • (100er KG Rohr, ca. 15m tief, weiteres leider unbekannt).

    Das heisst, der Schichtenaufbau bis auf 15m ist unbekannt.
    Du solltest vielleicht mal mit einer Kiespumpe das KG-Rohr bis unten räumen um festzustellen, wie fein der Sand unten ist. Wenn dieser > 0,3mm ist, könnte man beim Brunnenrohr einen Schlitzfilter 0,3 wählen und bräuchte keinen speziellen Sandfilter.

    Wenn dem so wäre, könnte man zur Not auf das Arbeitsrohr verzichten und das Brunnenrohr direkt abteufen.

    DN175 ist viel zu viel. DN115 reicht vollkommen, um, bei geeigneten Untergrund, mehrere m³/h zu fördern. Für DN 115 kannst Du die gleiche Kiespumpe wie für Dein KG Rohr nehmen. Eine Pumpe (!), ein Plunscher muss genau passen.


    Das Arbeitsrohr erfüllt seinen Zweck nicht wegen evtl. Lehmschichten, sondern um bei Bedarf einenFeinsandfilter setzen zu können.

    Gruss

    kg49

  • Hallo,

    vielen Dank für die Infos. Ein DN115 Rohr bedeutet aber ja auch, dass ich mindestens DN200 Arbeitsrohr brauche, oder?


    Ich habe mal mit der Kiespumpe (vom Erdbohrer, kam innerhalb eines Tages) unten rum freigepumpt. Ganz sicher bin ich nicht, dass ich am Ende des Rohres angekommen bin, aber auf knapp 15m bin ich. Den Sand, der unten raus kam habe ich getrocknet, gesiebt und fotographiert. Verteilt sich zu ca 2/3 Massenanteil auf die feine und 1/3 auf die grobe Fraktion.


    Kann man mit diesem Bild eine Aussage darüber treffen, ob man hier ohne Arbeitsrohr überhaupt anfangen soll?


    Grüße

    Jan

  • Das Foto wäre noch aussagekräftiger, wenn nicht sortiert worden wäre, aber... der Sand, der nach links sortiert wurde, ist noch sehr brauchbar, ich habe viele Körner gesehen, die >= 0,5mm sind.

    Vor allem, es ist Sand, also Körner und kein Schluff.

    Jetzt poste mal, wieviel m³/ Du maximal entnehmen willst und was Deine Mindestfördermenge sein könnte.

    Ich glaube, Du kommst ohne Arbeitsrohr aus.

    Weiteres dann im nächsten Post.

    Gruss

    kg49

  • Kein Arbeitsrohr? Das sind ja gute Aussichten! ;-)


    Alles wieder zu mischen ist kein Problem, daraus entsteht das Bild.


    Meine maximale Abnahme wäre aktuell eher gering, einige wenige m³ pro Tag (~3m³/d), im Winter eigentlich gar nichts.

    Ich würde aber gerne mindestens >6m³/h fördern können. Erstens um sicherzustellen, dass ich alles gleichzeitig laufen lassen kann, zweitens weil ich die nächsten 40 Jahre noch nicht im Detail geplant habe und ich auf der sicheren Seite sein möchte.


    Das ist ja eine Funktion von Durchmesser und Filterlänge. Gibt es dafür Faustformeln?


    Besten Dank!!

  • Ich würde aber gerne mindestens >6m³/h fördern können.

    Daran dürfte nicht zu denken sein.


    Das ist ja eine Funktion von Durchmesser und Filterlänge

    Nicht nur. Das hängt auch in grossem Masse vom Bodengrund ab und dieser ist bei Sanden nicht so wasserdurchlässig.

    Dies kann man zwar durch Filterlängen ausgleichen, aber das würde bei dem Sand eine Filterlänge von (schätzungsweise) bis zu 12m (!) ausmachen.

    Die Strömungsgeschwindigkeit des Wassers zum und in den Filter hinein darf auch nicht zu gross sein, um Sandeintrag und Verockerungen zu vermeiden.

    Beispiel: Ich habe bei mir Feinsand und 4m Feinsandfilter gesetzt. Der Brunnen wird maximal mit 2m³/h belastet. Seit 20 Jahren warte ich auf das erste Sandkorn, was die Pumpe hochfördert.


    Ein grosses Problem beim Brunnenbau ist die Belastung, da die wenigsten eine Vorstellung von den Folgen einer Überlastung haben.

    Gruss

    kg49

  • Das ging ja schnell... Danke.


    OK, was heißt das nun? Wie dimensioniere ich das Rohr. Tatsächlich habe ich keine Vorstellung davon bei welchem Durchmesser/Länge/Untergrund ich was fördern kann.

    Gehen wir mal von DN150 und einer Filterlänge von 4m aus. Was sollte ich denn erwarten können? 2m³ sind ja nur gut 30l/min und das kann man schon mal an die Blumen gießen...

    Alternative wäre eine Zisterne, die ich dann als Zwischenspeicher aus dem Brunnen befülle....


    Kann ich den zweiten Brunnen nahe an den ersten bauen (50-70cm) oder hat das negative Effekte?


    Grüße

    Jan

  • Hallo,


    Also der Grundwasserspiegel steht aktuell bei knapp -8 m, wobei das auch das Minimum sein dürfte. Es ist warm und trocken. Seit Monaten. Wie in weiten Teilen der Republik ;-)


    Das PDF kenne ich, das widerspricht meiner ursprünglichen Vorstellung aber nicht grundsätzlich. Irgendwie frage ich mich auch, welche Dimensionen die Brunnen der Bauern hier haben müssen, wenn die 24/7 das Gemüse beregnen. Egal, andere Baustelle.


    Also wie ich es auch drehe und wende, den Brunnen zu überlasten ist einfach nicht schlau. Und wann der Brunnen überlastet ist weiß ich nicht, ich kann mir aber immer ein Szenario vorstellen, bei dem das passieren könnte.

    Lösung ist also, ich lege mir ein wie auch immer gearteten Zwischenspeicher an, aus dem ich dann beliebig schnell und mit der größtmöglichen Pumpe abpumpen kann. Ich organisiere mir die Tage mal einen IBC Container um das zu testen.


    Den Brunnen plane ich dann mit 150 mm Brunnenrohr, auf 16-20 m Tiefe zu treiben. Länge der Filterstrecke überlege ich mir noch.


    Wichtige Frage, die mir seit dem ersten Post auf den Nägeln brennt: Darf ich den Neuen nahe am Alten runtertreiben oder ist das aus irgend welchen Gründen schlecht?


    Grüße

    Jan

  • mit der größtmöglichen Pumpe abpumpen kann. Ich organisiere mir die Tage mal einen IBC Container um das zu testen.

    Für den Container brauchst Du eine andere Pumpe als im Brunnenrohr (Kühlung).

    Darf ich den Neuen nahe am Alten runtertreiben

    Da der alte nicht mehr im Betrieb ist, sollte eine Beeinflussung beider Brunnen durch ihre Absenkungstrichter ausgeschlossen sein.

    Das einzige Problem, was auftreten kann, ist, dass bei zu geringem Abstand u.U. die Bohrwand zwischen beiden Bohrungen einbricht.

    Gruss

    kg49

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