Bohrbrunnen in Oberhausen

  • Guten Morgen zusammen,


    ich plane derzeit einen Bohrbrunnen für die Bewässerung unseres und des Nachbarn Gartens anzulegen.

    Da eine parallele Entnahme von mindestens zwei Rasensprängern gewährleistet sein sollte, gehe ich derzeit von einer maximalen Entahme von 2-2,5 qm/h aus.


    Ich habe ein Schichtenprofil unserer Erdwärmebohrungen (2 Stück). Beide weisen ein gleiches Bohrprofil auf.

    Der Brunnen soll in ca. 10 m Abstand zu einer EW-Sonde entstehen. Die Bodenverhältnisse sind also mit hoher Wahrscheinlichkeit analog.


    Die in direkter Umgebung liegenden Grundwassermesstellen hatten einen minimalen Wasserstand von ca. 25,00 mNHN2016 und einen maximalen von 26,70 mNHN2016.

    Der Grundwasserleiter hat eine Mächtigkeit von ca. 9-10 Metern.

    Grundwasserkörper scheint von hoher Güte zu sein (Chemische Untersuchung):

    https://www.elwasweb.nrw.de/el…tnr=040100091&frame=false


    Baugrundgutachten bis 5m, Oberkante Gelände ca. 32,5 mNN:

    0,00 - 0,10 m Grasnarbe

    0,10 - 0,80 m Auffüllungen (Sand, schwach Humos - Humos, Schwach Schluffig, mit Zigelspuren)

    0,80 - 1,75 m vermutlich aufgefüllt / umgelagert (Schluff, schwach tonigmit Humos Spuren, einzelne Kiese, stark erdfeucht bis naß)

    1,75 - 3,60 m Fein - Mittelsande, schwach grobsandig, teilweise schwach schluffig, von 2,7 - 2,9 m schwach kiesig, mitteldicht, ab 3 m mitteldicht bis dicht.

    3,60 - 5,00 m Mittlsand und Mittel bis Grobsand, schwach kiesig, teilweise schwach schluffig, einzelne Schluffbänder, mitteldicht bis dicht.


    Bohrprotokoll der EWS:

    32,7 mNN

    0,00 - 0,40 m Mutterboden, grau braun

    0,40 - 1,20 m Feinsand, schluffig, gelb braun

    1,20 - 6,50 m Mittelsand und Feinsand, braun

    6,50 - 15,50 m Sand, stark Kiesig, braun bunt

    15,50 - 60,00 m Ton und Schluff grau


    Zu meinen Überlegungen:

    Es reichen sicherlich 13 Meter für einen funktionierenden Brunnen...

    Ich stelle mir aber vor (wenn es gut laufen sollte) die Rohrfahrt bis zur natürlichen Tonschicht abzuteufen und damit unten zu verschließen. 8)

    Macht das so Sinn oder sind die "kalkulierten Sicherheiten" absurd (spinnerhaft) hoch?


    Bohrbrunnen mit DN150 PVC Brunnerohr 7,5 mm Wandung, ohne Arbeitsrohr:

    0,00 - 10,00 m (22,5 mNN) Vollwandrohr.

    10,00 - 14,00 m (18,5 mNN) Filterrohr, SW (3 Meter 0,3mm, 1 Meter 0,5 mm)

    14,00 - 15,00 m (17,5 mNN) Sumpfrohr


    Demnach sollte selbst bei niedrigem Grundwasserspiegel (zulest 1995) eine Wassersäule von ca. 2,5 Metern vor der Filterstrecke stehen.

    Macht ein Mischen bei der Filterstrecke überhaut Sinn oder sollte man bei den Bedingungen direkt 0,5 mm nehmen?

    Die Bedingungen scheinen mir als Laie ja an sonsten optimal zu sein...


    Was meint Ihr?


    Liebe Grüße


    UNI

  • Macht das so Sinn oder sind die "kalkulierten Sicherheiten" absurd (spinnerhaft) hoch?

    Ja, das erscheint mir sinnvoll und das hört sich bis jetzt recht gut an.

    Macht ein Mischen bei der Filterstrecke überhaut Sinn oder sollte man bei den Bedingungen direkt 0,5 mm nehmen?

    Weder noch.


    6,50 - 15,50 m Sand, stark Kiesig, braun bunt

    Da steht halt Sand. Über dessen Körnigkeit (feinsandanteil?) wurde nichts gesagt. Auch nichts über den prozentualen Bestandteil der Sand- und Kiesanteile.

    Deswegen:

    Filterrohre und Kiesschüttung

    Es wird viel zu viel gebuddelt und viel zu wenig nachgedacht beim hobbymässigen Brunnenbau. Und manche "Profis" denken auch zu wenig.

    Im Prinzip gilt grundsätzlich (Ausnahmen bestätigen die Regel, die zu schildern wäre zu umfangreich):

    Ein "profimässig" erstellter Bohrbrunnen wird immer mit einem Arbeitsrohr errichtet, damit eine Kiesschüttung auf das Schichtenverzeichnis abgestimmt werden kann.

    Das Filterrohr hat dabei nicht die Aufgabe zu filtern, sondern ist Gerüst für die filternde Kiesschicht. Zwischen Arbeitsrohr und Brunnenrohr muss genügend Platz sein, um eine wirksame Filterkiesschicht schütten zu können.

    Alternativ dazu gibt es im Fachhandel (kein Baumarkt) sogenannte Kiesklebefilter oder Kiesbelagfilter (sehr teuer, aber gut), die man statt einer Kiesschüttung verbauen kann.

    Die Abstimmung von Filterkies oder Kiesklebefilter auf die Bodenschicht ist eine komplexe Überlegung, die sehr umfangreich werden kann, um maximale Ergebnisse zu erzielen.

    Da hobbymässig erstellte Brunnen nicht der Wasserversorgung von Stadtteilen dienen, können hier Abstriche an das maximal Mögliche gemacht werden.

    Will man ohne Arbeitsrohr arbeiten, ändern sich die Verhältnisse gravierend.

    Jetzt dient das Filterrohr nicht mehr als Traggerüst für eine genau abgestimmte Kiesfilterschicht, sondern als Traggerüst für das Erdreich um die Filteröffnungen.

    Da man meistens nicht weiss, wie sich das Erdreich zusammensetzt, bleibt einem nichts anderes übrig, als die kleinste Schlitzweite zu nehmen und zu hoffen, dass das passt.

    Generell gilt:

    Ist der Boden um die Filter zu fein, so gehen die Körner durch die Filterschlitze und der Brunnen wird ständig Sand führen.

    Haben die Bodenkörner die gleiche Grösse wie die Filterschlitze, so werden diese in einem hohen Umfang verstopfen und den Wassereintritt stark verringern.

    Nur wenn die Körner grösser als die Filterschlitze sind, können sie sich wie eine Filterkiesschüttung an das Filterrohr anlegen.

    Nun besteht der Boden ja nicht aus gewaschenem und gesiebten Sand bzw. Kies, sondern es sind alle möglichen Korngrössen in einer Probe zu finden. Deswegen muss man einen Esslöffel getrockneten Boden auf mm-Papier streuen, um ihn beurteilen zu können.

    Die grösseren Körner sollten grösser als die Filterschlitze sein, die kleineren, das sogenannte Unterkorn, sollte kleiner als die Schlitze sein.

    Falls Filterkies geschüttet wird, muss dieser unter Berücksichtigung dieser Überlegungen ausgewählt werden. Filterkies ist idealerweise fast kugelförmig, Splitt ist auf jeden Fall ungeeignet.

    Beim Klarpumpen eines Brunnens wird im Idealfall das Unterkorn durch die Schlitze abgepumpt, im Laufe der Zeit immer weniger und der Brunnen wird sandfrei.

    Ob man nun ein Arbeitsrohr setzt, mit Kiesschüttung oder Kiesklebefiltern arbeitet, oder das Rohr direkt abteuft, muss jeder Hobbybrunnenbauer selbst entscheiden.

    Manchmal sind Erfahrungen der unmittelbaren Nachbarschaft oder Schichtenverzeichnisse der zuständigen Ämter nützlich. Sie sind aber nie(!) eine Garantie für den Boden,den man dann tatsächlich antrifft. Innerhalb weniger Meter können sich die Bodenverhältnisse massiv verändern.

    Gruss

    kg49

    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar formuliert und vollständig beschrieben wird.


    Dazu gehört hier im Forum vor allem die Beschreibung der Randbedingungen eines zu lösenden Problems,

    also z.B. Schichtenverzeichnis, Brunnenausbauplan, genaue Typenbezeichnung der Pumpe.

    Wenn Daten nicht zur Verfügung stehen, sollte das auch angegeben werden.

  • Hallo kg49,


    das ging schnell, vielen Dank für die ausführliche Antwort!


    Um es perfekt zu machen, gebe ich dir absolut Recht. Es führt kein Weg an einem Arbeitsrohr vorbei.


    Ein Arbeitsrohr aus Brunnenrohr DN250 / DN300 bringt wiederum ein Bohrunterhemen (da kosten dann c.a. gleichauf sein sollten) auf den Plan. Wie realistisch ist der Widerverkauf von 15 m DN300?

    Ein KG-Arbeitsrohr DN315 würde ich aufgrund von Dir häufiger vorgebrachten grundsätzlichen Nachteile eher nicht verwenden wollen.


    Wirtschaftlich ist die Erstellung in Eigenleistung (als hobbyprojekt ohne Garantie auf funtionstücktigkeit) offenbar nur ohne Arbeitsrohr.

    Die geringste Schlitzweite welche ich auf Anhieb bei DN150 Rohr finde, ist 0,3 mm.

    Also im Anschluss freipumpen und hoffen ...


    Vielen Dank und Gruß


    UNI

  • Wie realistisch ist der Widerverkauf von 15 m DN300?

    In Abhängigkeit des Preises und der Versandkosten gut bis ausgezeichnet, falls Glattwandrohr.

    Für ein Arbeitsrohr müssen aber keine DN300 gewählt werden. DN 200 reicht vollständig aus, auch kleinere Maße sind denkbar, wenn keine Kiesschüttung sondern fertige Feinsandfilter gewählt werden (1m ca. 100 Euro).

    Bei Deinen Bodenverhältnissen könnte man es auch mit KS Rohr als Arbeitsrohr versuchen. Nur bei reinen Sandböden sinnvoll. Darüber liegen gute Erfahrungswerte vor. (Brunnentiefe ca. 19m)

    KS = Kabelschutzrohr 160mm.

    Gruss

    kg49

    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar formuliert und vollständig beschrieben wird.


    Dazu gehört hier im Forum vor allem die Beschreibung der Randbedingungen eines zu lösenden Problems,

    also z.B. Schichtenverzeichnis, Brunnenausbauplan, genaue Typenbezeichnung der Pumpe.

    Wenn Daten nicht zur Verfügung stehen, sollte das auch angegeben werden.

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