Wasseranalyse: 210mg/L & ph-Wert 3

  • Hallo Forum,


    ich habe einen Bohrbrunnen mit 12m Tiefe. Wassersäule ca. 8m hoch. Sinn des Brunnens soll das Füllen der Regenwasserzisterne bei Trockenheit sein. Der Brunnen wurde von mir selbst erstellt nach Anleitung hier im Forum. Das gepumpte Wasser kommt relativ klar aus dem Brunnen und verfärbt sich nach einigen Stunden braun. Ich bin von Eisen ausgegangen, jedoch wollte ich es genau wissen und habe eine professionelle Brunnenwasaseranalyse bei wassertest-online.de machen lassen. Die Ergebnisse haben mich leicht geschockt, da ich bisher niemals einen so hohen Eisenwert gesehen haben.


    Eisen 210 mg/Liter

    ph-Wert 3

    Mangan 1,3 mg/Liter

    Ammonium 6,5mg/Liter


    Auch der ph-Wert lässt mich stutzen. Das wäre ja schon fast schlimmer als Zitronensäure.


    Das Wasser selbst riecht etwas metallig, ist aber keine "Brühe", eher das Gegenteil. Hat schon jemand solche Eisenwerte gesehen oder selbst gehabt? Irgendwo habe ich gelesen, dass nach Entnahme von mehrern m³-Wasser der Eisengehalt verschwunden ist. Kann jemand dazu etwas sagen?



    Vielen Dank für Eure Antworten.


    Gruß geht raus.

    Mathias

  • Ein solcher PH Wert sollte bei einem natürlich vorkommenden Wasser nicht vorkommen. Kann das Grundwasser kontaminiert sein oder wurde die Probe nicht ordnungsgemäss entnommen und versandt?

    Gruss

    kg49

    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar formuliert und vollständig beschrieben wird.


    Dazu gehört hier im Forum vor allem die Beschreibung der Randbedingungen eines zu lösenden Problems,

    also z.B. Schichtenverzeichnis, Brunnenausbauplan, genaue Typenbezeichnung der Pumpe.

    Wenn Daten nicht zur Verfügung stehen, sollte das auch angegeben werden.

  • Hallo kg49,


    danke für Deine Antwort. Die Probeentnahme und das Einschicken ist ziemlich simpel, da kann nicht viel schief gehen.

    Wir sind hier in einem ehemaligem Tagebaugebiet mit gefluteten Seen ca. 1km entfernt. Das sind aber Badeseen mit glasklarem Wasser. Ich werde beim Testlabor anrufen und nachfragen.

    Bei einem ph-Wert von 3 und ab 2m Grundwasser würde doch kein Baum wachsen.


    Im Anhang der Testbericht.


    Gruß.

  • Hallo Forum,


    leider habe ich das Problem mit dem Eisen noch nicht in den Griff bekommen. Der Eisengehalt scheint wirklich so hoch zu sein. Ein Versuch mit selbstgebauter unterirdischer Enteisung bringt zwar Besserung, aber behebt das Problem nicht zufriedenstellend.

    Jetzt meine Überlegung, ob ich den Brunnen nicht noch tiefer bohren sollte. Was meint Ihr, ob in größerer Tiefe der Eisengehalt besser sein könnte (Glaskugel)? Ist es möglich das mittlerweile 6 Monate eingeplunschte Rohr noch weiter einzutreiben?


    Vielen Dank für Eure Hilfe.

  • Was meint Ihr, ob in größerer Tiefe der Eisengehalt besser sein könnte (Glaskugel)?

    Meine Glaskugel meint, dass dies in Tiefen möglich sein könnte, die für Dich unerreichbar sind. Es sei denn, dass das nächste Grundwasserstockwerk dicht an der GOK liegt und Du dieses anbohren darfst.

    Ist es möglich das mittlerweile 6 Monate eingeplunschte Rohr noch weiter einzutreiben?

    Das kannst Du ganz einfach feststellen: versuche, die Rohrtour zerstörungsfrei 20cm zu ziehen.

    Gruss

    kg49

    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar formuliert und vollständig beschrieben wird.


    Dazu gehört hier im Forum vor allem die Beschreibung der Randbedingungen eines zu lösenden Problems,

    also z.B. Schichtenverzeichnis, Brunnenausbauplan, genaue Typenbezeichnung der Pumpe.

    Wenn Daten nicht zur Verfügung stehen, sollte das auch angegeben werden.

  • Die Probeentnahme und das Einschicken ist ziemlich simpel, da kann nicht viel schief gehen.

    Doch...gerade bei einem solchen Wasser kann viel schief gehen. Ein Beispiel: Bei diesem pH-Wert liegt das Eisen primär gelöst als Fe2+ vor. Sobald du bei Abfüllen belüftest, steigt der pH-Wert und das Eisen fängt an auszufallen. Bei Mangan gilt das gleiche, geht nur nicht so schnell.


    Wir sind hier in einem ehemaligem Tagebaugebiet mit gefluteten Seen ca. 1km entfernt. Das sind aber Badeseen mit glasklarem Wasser.

    Für mich ist das die Erklärung für dein Problem. Das ist doch auch genau das, womit die ganzen Tagebaufolgelandschaften zu kämpfen haben - Stichwort "Pyritverwitterung".
    In Kurzform: Pyrit ist ein Eisenerz (landläufig Schwefeleisen). Um den Tagebau zu betreiben wurde das Grundwasser in den Regionen über Jahrzehnte stark abgesenkt. Das hat dazu geführt, dass das Pyrit nicht mehr "im" Grundwasser liegt (=sauerstoffarm), sondern belüftet wird. Folge dessen "zerfällt" das Pyrit in wasserlösliche Bestandteile (vorwiegend Eisen und Schwefel) - nicht schlimm, solange das Grundwasser abgesenkt war.

    Nach dem Ende der Tagebauaktivitäten wurden auch die Brunnen abgestellt und das Grundwasser stieg wieder an. Das führte bzw. führt nun dazu, dass das verwitterte Pyrit in Lösung geht. Dies resultiert in genau solchen Messwerten wie du sie siehst. Hättest du einen Messwert für Sulfat wäre der sicher auch jenseits der 500 mg/L.


    Und eine Entfernung von 1km zu einem Tagebaurestloch ist nichts im Vergleich zu den Absenktrichtern, die es während des aktiven Bergbaus gab.


    Aus dem glasklaren Wasser kannst du keine Rückschlüsse für dich ableiten. In der Lausitz beispielsweise werden die Oberflächengewässer, vor allem die Seen, gekalkt um den pH-Wert zu heben. In der Folge wird das Eisen dort ausgeflockt und es ist keine Trübung vorhanden.

    Bei einem ph-Wert von 3 und ab 2m Grundwasser würde doch kein Baum wachsen.

    Klar...die sind anpassungsfähig. Für mich sind deine Messwerte absolut plausibel.

    Eine selbstgebaute UE? Na erzähl das mal lieber nicht der Wasserbehörde - wenn du es nicht tatsächlich darfst.
    Die UE ist ein sehr, sehr sensibler Prozess...ich bezweifle, dass du den jemals zufriedenstellend in Eigenregie hinbekommst aber ich lasse mich gern eines besseren belehren :) Ich habe schon einige Wasserwerke gesehen, die auch mit jahrelangen Erfahrungen immer wieder Anpassungen durchführen müssen.


    Wie es kg49 schon sagte: in dem Grundwasserleiter, den du jetzt angeschnitten hast, ist keine Besserung zu erwarten.

  • Hallo,


    vielen Dank für Eure Antworten.

    Meine Glaskugel meint, dass dies in Tiefen möglich sein könnte, die für Dich unerreichbar sind. Es sei denn, dass das nächste Grundwasserstockwerk dicht an der GOK liegt und Du dieses anbohren darfst.

    Ich glaube auch, dass ich vielleicht noch 5 Meter weiter rein kommen würde, aber ob dies etwas bringt ist fraglich. Es ist leider nicht bekannt, wie tief der aktuelle Grundwasserleiter geht.

    Für mich ist das die Erklärung für dein Problem. Das ist doch auch genau das, womit die ganzen Tagebaufolgelandschaften zu kämpfen haben - Stickwort "Pyritverwitterung".

    Ich bin auch der Meinung, dass mein Problem durch den ehemaligen Tagebau entstanden ist. Es ist nur nach der ganzen Arbeit etwas ernüchternd, weil das Wasser dadurch fast unbrauchbar ist. Der von Dir beschriebene Prozess wird ja noch hunderte Jahre andauern.


    Eine selbstgebaute UE? Na erzähl das mal lieber nicht der Wasserbehörde - wenn du es nicht tatsächlich darfst.

    Nunja, das ganze sieht so aus, dass ich das Wasser hoch pumpe und in einem Fass belüfte. Danach läuft es wieder nach unten in die Filterzone und verteilt sich dort. Das haben schon viele andere erfolgreich angewendet, aber hier lagen die Eisenwerte bei max. 15mg/L. Durch das Belüften ist mein Eisengehalt von 210 auf ca. 50mg/L gesunken. Nächster Schritt könnte eine Enteisenungsanlage mit Entsäuerungspumpe und Rückspülung sein, aber da schrecken mich die Anschaffungskosten und Unterhaltungskosten ab. Das ganze soll sich ja auch rentieren.


    Interessant ist, dass ca. 400m entfernt ein Brunnen ist, der nur 5m Tief ist und eisenfreies Wasser liefert. Vielleicht bin ich auch schon zu tief gekommen und sollte nochmal einen Versuch mit nur 5m starten. Wasser sollte genug vorhanden sein, nur wäre dann meine Pumpe in der Filterschicht.


    Gruß.

  • Wasser sollte genug vorhanden sein, nur wäre dann meine Pumpe in der Filterschicht.

    Das muss aber nicht sein.

    Arbeite mit einem ca. 1-2m langem Sumpfrohr, verschliesse dies unten und hänge die Pumpe in das Sumpfrohr, also unterhalb des Filters. Du musst nur eine Pumpe mit Mantelstromkühlung nehmen oder Dir zu einer vorhandenen Pumpe eine Mantelstromkühlung bauen.

    Gruss

    kg49

    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar formuliert und vollständig beschrieben wird.


    Dazu gehört hier im Forum vor allem die Beschreibung der Randbedingungen eines zu lösenden Problems,

    also z.B. Schichtenverzeichnis, Brunnenausbauplan, genaue Typenbezeichnung der Pumpe.

    Wenn Daten nicht zur Verfügung stehen, sollte das auch angegeben werden.

  • Der von Dir beschriebene Prozess wird ja noch hunderte Jahre andauern.

    Richtig...damit werden sich noch einige Generationen rumärgern :|


    Nunja, das ganze sieht so aus, dass ich das Wasser hoch pumpe und in einem Fass belüfte. Danach läuft es wieder nach unten in die Filterzone und verteilt sich dort.

    Dann ist das keine UE. Bei der UE mit einem Brunnen wird erst sauerstoffreiches Wasser IN den Grundwasserleiter infiltriert. Dadurch wird das am Korngerüst adsorbierte Eisen (bzw. Mangan) am Korngerüst, d.h. im Grundwasserleiter, oxidiert. Danach wird das eisenhaltige Grundwasser geförderte, wobei das Eisen an dem vorher oxidierten Oxiden "kleben" bleibt. Den Prozess musst du immer im Wechsel fahren.


    Das was du machst, klingt nach einer Enteisenung im Brunnen. Ich bezweifle, dass du damit lange Freude an dem Brunnen hast, da dieser zeitnah der Verockerung erliegen wird.


    Nächster Schritt könnte eine Enteisenungsanlage mit Entsäuerungspumpe und Rückspülung sein, aber da schrecken mich die Anschaffungskosten und Unterhaltungskosten ab. Das ganze soll sich ja auch rentieren


    Das klingt für den Hausgebrauch sehr aufwändig. Das Rückspülwasser der Filter kannst du normalerweise auch nicht einfach in die Kanalisation einleiten.

Brunnen selber bauen