Kann ein Brunnen zu tief gebohrt/geplunscht oder gerammt werden?

  • Hallo, ich hatte letztens ein Gespräch mit meinem Nachbar, der einen Rammbrunnen hat.

    Er hat diesen ca. 4,50m eingeschlagen. Funktioniert laut seiner Aussage einwandfrei und auch Wasser ist immer ausreichend da bzw. noch nie „leer“ gewesen.

    Nun meinte er, dass er das Rohr zum Testen 15-30cm tiefer eingeschlagen hat. Ergebnis war, dass kein Wasser kam.

    Daraufhin hat er die 15-30cm wieder rausgezogen und nutzt diesen seitdem ohne Probleme.

    Hier liegt der GWS bei ca. 3,10m. Somit hätte er einen Wasserstand von 1,40m.

    Meine Fragen hierzu:

    - Kann es sein, dass es wirklich „nur“ 1,40m Wasser sind?

    - Kann man einen Brunnen zu tief bohren/plunschen oder rammen?

    - Ich habe in einem anderen Forum gelesen, dass einer geschrieben hat „Der Brunnenbauer meinte, wenn wir diese Schicht durchbohren, fließt das Wasser nach unten ab“. Kann das wirklich passieren?

    Mein Stand, den ich durch das lesen aufgefasst habe ist folgender: Ab erreichen des Grundwasserspiegels weitere 2m tiefer gehen.

    Kann man das so stehen lassen?


    Ich bin mit meinem Arbeitsrohr nun bei 4m. Das Wasser steht ca. 60cm im Rohr.


    Mein Vater möchte nun die letzten Meter einen Rammfilter einrammen. Ich würde aber gerne komplett bohren/plunschen.


    Mein Vater meint nun, wenn ich zu tief bohre/plunsche, kann es sein, dass ich gar kein Wasser mehr habe, da das Wasser dann unten wegfließt. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass er das nur behauptet, damit er endlich rammen kann. ^^

  • Kann man einen Brunnen zu tief bohren/plunschen oder rammen?

    Das hängt von der Bodenstruktur ab.

    Wenn nach einer wasserführenden Schicht eine wasserundurchlässige Schicht kommt, verstopfen die Filteröffnungen und es kann kein Wasser angesaugt werden.

    Wenn man die wasserundurchlässige Schicht durchbohrt kann(!) es sein, dass das Wasser der ersten wasserführenden Schicht nach unten wegfliesst.

    Merke: Alles kann, nichts muss!

    Gruss

    kg49

    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar formuliert und vollständig beschrieben wird.


    Dazu gehört hier im Forum vor allem die Beschreibung der Randbedingungen eines zu lösenden Problems,

    also z.B. Schichtenverzeichnis, Brunnenausbauplan, genaue Typenbezeichnung der Pumpe.

    Wenn Daten nicht zur Verfügung stehen, sollte das auch angegeben werden.


  • Ok. Also bringt es dann auch nichts mehr, wenn ich es dann wieder etwas hochziehe, da das Wasser unten bereits weggeflossen ist.


    Kann ich eigentlich auch komplett im Arbeitsrohr plunschen und dann erst im Nachhinein das eigentliche Brunnenrohr reinsetzen?

  • Kann man einen Brunnen zu tief bohren/plunschen oder rammen?

    Jepp, Beweis siehe Komplett ratlos: Rohr hängt fest


    Also bringt es dann auch nichts mehr, wenn ich es dann wieder etwas hochziehe, da das Wasser unten bereits weggeflossen ist.

    Klar bringt das was, du muss nur das Rohr unten mit einem Tonpfropfen innen verschliessen, dann kann kein Wasser mehr ablaufen.

    Oder tiefer gehen bis die komplette Filterstrecke unterhalb der Sperrschicht ist, sich oberhalb also nur Vollrohr befindet. Sofern die Sperrschicht Ton/Lehm ist legt sich diese wieder ums Rohr und dichtet ab.

    Kann ich eigentlich auch komplett im Arbeitsrohr plunschen und dann erst im Nachhinein das eigentliche Brunnenrohr reinsetzen?

    Ist sogar die beste Methode. Auf die Art siehst du genau die Schichtung des Bodens und kannst dann die eigentliche Rohrtour optimal konfigurieren. Und musst nicht mit Tonpfropfen o.ä. als unterem Abschluss herumtun sondern kannst die Tour gleich mit Bodenkappe ablassen.

    Ich hoffe aber du hast richtiges Brunnenrohr als Arbeitsrohr genommen, vorzugsweise ohne Muffe? Denn du musst das Arbeitsrohr ja wieder ziehen, und wenn du dann mit einem Muffenrohr durch Ton gegangen bis (worst case: KG-Rohr) und dieser gequollen ist dann hast du ein Problem.


  • Danke für die ausführliche Antwort.


    Ich weiß im Moment leider nicht, was ich machen soll.


    Ich habe ca. 60cm Wasser im Rohr (Müsste prüfen, ob ich immer genug Wasser habe).


    Soll ich weiterbohren oder es dabei belassen?


    Bzw. was mir wichtiger ist:


    Kann ich so eigentlich eine Tiefbrunnenpumpe betreiben? Also es geht mir auch um den Druck. Es ist eigentlich besser, wenn ich mehr Wasserstand über der Pumpe habe, bezüglich dem Druck, oder?

  • Der Wasserstand hat bei deiner Fragestellung nichts mit dem Pumpendruck einer Tiefbrunnenpumpe zu tun.

    Gruss

    kg49

    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar formuliert und vollständig beschrieben wird.


    Dazu gehört hier im Forum vor allem die Beschreibung der Randbedingungen eines zu lösenden Problems,

    also z.B. Schichtenverzeichnis, Brunnenausbauplan, genaue Typenbezeichnung der Pumpe.

    Wenn Daten nicht zur Verfügung stehen, sollte das auch angegeben werden.

  • Also kann ich auch bei nur 60cm Wasserstand gut Wasser bekommen,


    Kaum. Du hattest von Druck gesprochen, der ist erst mal unabhängig von der Wassermenge.

    solange das die Pumpe mitmacht?

    Was verstehst Du unter "mitmachen"?

    Weiterplunschen oder so lassen?

    Der Grobsand sieht eigentlich recht gut aus.

    Ich würde erst mal weiterbohren, bis eine Lehm- oder Tonschicht kommt. Wenn es soweit ist, nochmal hier nachfragen.

    Gruss

    kg49

    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar formuliert und vollständig beschrieben wird.


    Dazu gehört hier im Forum vor allem die Beschreibung der Randbedingungen eines zu lösenden Problems,

    also z.B. Schichtenverzeichnis, Brunnenausbauplan, genaue Typenbezeichnung der Pumpe.

    Wenn Daten nicht zur Verfügung stehen, sollte das auch angegeben werden.

  • Kaum. Du hattest von Druck gesprochen, der ist erst mal unabhängig von der Wassermenge.

    Was genau meinst du mit „Kaum“? Dass ich gut Wasser bekomme?


    Quote from kg49

    Was verstehst Du unter "mitmachen"?

    Ich meine damit die Leistung der gewählten Pumpe.



    Quote from kg49

    Der Grobsand sieht eigentlich recht gut aus.

    Ich würde erst mal weiterbohren, bis eine Lehm- oder Tonschicht kommt. Wenn es soweit ist, nochmal hier nachfragen.

    Weiterbohren oder meinst du plunschen?


    Wie gesagt, ich würde ja gerne weiter runter. Mein Vater hat mir aber jetzt in den Kopf gesetzt, dass, wenn ich weiterbohre, das Wasser komplett verschwindet. Da wollte ich eben auf Nummer sicher gehen.


    Ich habe mal zum testen ne Pumpe dran gehängt. Der Brunnen liefert wirklich gut Wasser.

    Der Wasserstand scheint stabil zu bleiben.

  • Du wirst Verantwortung übernehmen müssen und es bleibt Dir nichts anderes übrig als Dich zu entscheiden.

    Da hier keiner vor Ort ist, kann von hier aus nur nach den Regeln des Brunnenbaus entschieden werden.

    Du solltest aber mal vielleicht Dich vor Deiner Entscheidung mal etwas mit dem Brunnenbau vertraut machen, um zumindest zu versuchen, sachgerecht zu entscheiden.

    Weiterbohren oder meinst du plunschen?

    Plunschen ist bohren. Ein Plunscher bzw. eine Kiespumpe sind Ventilbohrer.

    Unter Wasser wird mit der Kiespumpe gearbeitet, manche plunschen auch lieber.

    Mit einem Spiralbohrer wird unter Wasser nur gebohrt, wenn das Bohrgut auf dem Wendel liegen bleibt.

    Gruss

    kg49

    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar formuliert und vollständig beschrieben wird.


    Dazu gehört hier im Forum vor allem die Beschreibung der Randbedingungen eines zu lösenden Problems,

    also z.B. Schichtenverzeichnis, Brunnenausbauplan, genaue Typenbezeichnung der Pumpe.

    Wenn Daten nicht zur Verfügung stehen, sollte das auch angegeben werden.

  • Mein Vater hat mir aber jetzt in den Kopf gesetzt, dass, wenn ich weiterbohre, das Wasser komplett verschwindet.

    Wurde in Nachbarforum ja schon beantwortet. Wasser folgt - von Kapillarkräften mal abgesehen - der Schwerkraft, reine Physik (dein Vater kann ja mal in seinen alten Schulbüchern nachschlagen). Also versickert es so lange bis es von einer undurchlässigen Schicht aufgehalten wird und staut sich dann nach oben. Eines wird ganz sicher nicht passieren: Dass du so eine Schicht - meist Lehm/Ton - versehentlich durchbohrst und das Wasser abläuft. Die kostet nämlich üblicherweise Blut, Schweiß und Tränen, das merkst du dann rechtzeitig ;).

    Also weiter runter bis du entweder auf so eine Schicht stösst oder die Wassersäule auch ohne Erreichen so einer Schicht bereits ausreicht. Bei der Wassersäule ist aber nicht die Rede von Zentimetern sondern von Metern, idealerweise bis mindestens 2m überhalb der Filterstrecke.

    Viel Erfolg!

  • Wurde in Nachbarforum ja schon beantwortet. Wasser folgt - von Kapillarkräften mal abgesehen - der Schwerkraft, reine Physik (dein Vater kann ja mal in seinen alten Schulbüchern nachschlagen). Also versickert es so lange bis es von einer undurchlässigen Schicht aufgehalten wird und staut sich dann nach oben. Eines wird ganz sicher nicht passieren: Dass du so eine Schicht - meist Lehm/Ton - versehentlich durchbohrst und das Wasser abläuft. Die kostet nämlich üblicherweise Blut, Schweiß und Tränen, das merkst du dann rechtzeitig ;).

    Also weiter runter bis du entweder auf so eine Schicht stösst oder die Wassersäule auch ohne Erreichen so einer Schicht bereits ausreicht. Bei der Wassersäule ist aber nicht die Rede von Zentimetern sondern von Metern, idealerweise bis mindestens 2m überhalb der Filterstrecke.

    Viel Erfolg!


    Vielen Dank!

    Genau, da wurde es bereits so beantwortet, dass ich in Ruhe schlafen und demnächst weiter am Brunnen arbeiten kann.


    Du hast nun wohl eine weitere Frage in meinem Kopf geklärt.


    Bleibt noch die letzte Frage:


    Kann ich mit einer 108er Kiespumpe auch ein 150er Rohr „ausplunschen“? (Ich habe gelesen, dass für ein 150er Rohr eine 140er Kiespumpe genommen werden soll, jedoch möchte ich eben für die Zukunft etwas flexibler sein und würde mir dann lieber eine 108er holen, um auch mit einem 125er Rohr arbeiten zu können.


    Gruß

    BUGEE

Brunnen selber bauen