Presscontrol oder Mascontrol?

  • Hallo Gemeinde,


    ich bin neu hier und unbeleckt in Sachen Brunnenbau. Auf meinem Grundstück habe ich einen 4" Brunnen bohren lassen. Dieser ist 45m tief. Laut dem Brunnenbohrer soll ich die Pumpe auf -30m hängen. Als Pumpe wird die IBO 4SDm 6-10 mit einer Förderhöhe von 74m und einem maximalen Fördervolumen von 9720l/h zum Einsatz kommen.

    Welchen Strömungsschalter setze ich nun am dümmsten ein, um so wenig wie möglich Druck- und Volumenverlust zu haben?


    Über jede hilfreiche Antwort bin ich sehr dankbar.


    Grüße

  • Als Pumpe wird die IBO 4SDm 6-10 mit einer Förderhöhe von 74m und einem maximalen Fördervolumen von 9720l/h zum Einsatz kommen.

    Das sind die Werte auf dem Papier. Mit welchem Betriebspunkt wird denn die Pumpe betrieben?

    Gruss

    kg49

    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar formuliert und vollständig beschrieben wird.


    Dazu gehört hier im Forum vor allem die Beschreibung der Randbedingungen eines zu lösenden Problems,

    also z.B. Schichtenverzeichnis, Brunnenausbauplan, genaue Typenbezeichnung der Pumpe.

    Wenn Daten nicht zur Verfügung stehen, sollte das auch angegeben werden.

  • Es ist für mich immer wieder erstaunlich, mit welcher Selbstsicherheit "unbeleckte, blutige Anfänger" eine Pumpe auswählen oder sich diese von meistens ebenso Unwissenden empfehlen lassen. Da dieses Problem eines der Standardprobleme hier im Forum ist, habe ich mal dazu folgenden kleinen Text erstellt. Für die Pumpenauswahl gibt es dann, bei Bedarf, noch einen etwas längeren Text zur Berechnung des Betriebspunktes.


    Abgesehen davon, diese Texte sind hier schon zig Mal veröffentlicht worden.

    Genauso wie in anderen Fachforen kann man hier nur die Empfehlung aussprechen, erst Mal viel zu lesen, damit man dann auch weiss, was man fragen muss. Liest man genügend, muss man gar nichts mehr fragen denn es gibt wohl kein Thema zum Brunnenbau und zur Pumpendimensionierung, welches nicht schon zig Mal behandelt wurde.


    Pumpenkennlinie


    Betrachtet man Pumpen im Baumarkt oder online im Netz, so fällt einem auf, dass sich auf dem Typenschild oder bei den technischen Angaben zwei Werte befinden, die anscheinend die Eigenschaften der Pumpe beschreiben: Eine Druckangabe und eine Wassermengenangabe.


    Z.B. kann man lesen 5 Bar / 3000L/h

    Da 10m Wassersäule einen Druck von ca. 1 Bar hat, werden die Drücke häufig auch in Höhenangaben angegeben, d.h. es kann auch stehen: 50m / 3000L/h.


    Man könnte jetzt annehmen, dass die genannten Daten die Eigenschaften der Pumpe beschreiben, also 3000L/h bei einem Druck von 5 Bar gefördert werden. Ein folgenschwerer Irrtum!


    Es ist leicht einzusehen, dass eine Pumpe ihren höchsten Druck hat, wenn der Pumpenausgang verschlossen ist, also die Fördermenge 0L/h beträgt.

    Genauso ist es nachvollziehbar, dass die höchste Wassermenge gefördert wird, wenn der Pumpenausgang offen ist, also kein Schlauch angeschlossen ist. Ist der Ausgang offen, kann dort kein Druck aufgebaut werden, also liegen dort 0 Bar an.


    Diese zwei Zustände nennt man auch Betriebspunkte. Sie entsprechen kaum dem praktischen Betrieb.

    Aber genau diese zwei Betriebspunkte werden bei Pumpen angegeben, also die maximal mögliche Fördermenge und der maximal auftretende Druck. Beide können nie zusammen auftreten!


    Zwischen beiden Betriebspunkten sind unendlich viele Kombinationen möglich.

    Man kann sich das so vorstellen, als ob die Pumpe aus dem Eingangsbeispiel (50m/3000L) in einem Teich neben einem 60m hohen Turm stehen würde.

    Lässt man die Pumpe frei laufen, so fördert sie 3000L/h, ihr Druck beträgt 0 Bar.

    Schliesst man sie an einen langen Schlauch an, den man langsam am Turm hinaufzieht, so hat sie bei 10m einen Druck von 1 Bar, bei 30m von 3 Bar, bei 50m von 5 Bar und bei 60m immer noch 5 Bar. Das Wasser, das durch den Schlauch fliesst, wird immer weniger, je höher der Schlauch gezogen wird. Ab 50m fliesst überhaupt kein Wasser mehr aus dem Schlauch heraus.


    Zu jeder Schlauchhöhe gehört also ein anderer Druck und eine andere Fördermenge.

    Das sind die verschiedenen Betriebspunkte einer Pumpe. Sie werden entweder in einer Tabelle oder mit einer Kurve dargestellt. Diese Kurve nennt man Pumpenkennlinie, bei der man zu jedem Pumpendruck die dazugehörende Fördermenge bzw. zu jeder Fördermenge den dazugehörenden Pumpendruck ablesen kann.


    Ergänzend sei noch gesagt, dass einige Pumpenhersteller neben dem Maximaldruck bzw. der maximalen Fördermenge auch den Betriebspunkt angeben, bei dem die Pumpe ihren besten Wirkungsgrad hat.

    Gruss

    kg49

    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar formuliert und vollständig beschrieben wird.


    Dazu gehört hier im Forum vor allem die Beschreibung der Randbedingungen eines zu lösenden Problems,

    also z.B. Schichtenverzeichnis, Brunnenausbauplan, genaue Typenbezeichnung der Pumpe.

    Wenn Daten nicht zur Verfügung stehen, sollte das auch angegeben werden.

  • Ich weiß ich bin dumm, aber genau deswegen frage ich ja hier die Spezialisten. Und ja, ich weiß auch, dass Pumpenwerte hier und in anderen Foren x-Mal diskutiert wurden und werden. Nur leider habe ich, trotz der Tatsache, dass ich schon viel gelesen habe und nicht blind drauf los frage, keine mich befiedigende Antwort gefunden.

    Hier mal die Kennlinie der 4SDm 6/10, die auf ca. -30m gehangen werden soll. Jetzt nochmal zurück zur Frage:

    Welchen Strömungsschalter setze ich nun am dümmsten ein, um so wenig wie möglich Druck- und Volumenverlust zu haben?

  • Wenn Du Dich mal etwas mit der Fragestellung selbst beschäftigen würdest, müsstest Du merken, dass die Frage so an sich bereits wenig Sinn hat und nicht beantwortet werden kann.

    Soweit ich weiss, sind beide Anschlussquerschnitte identisch und inwieweit ihre Druckfestigkeit eine Rolle spielt, kann man ohne Beantwortung des Betriebspunktes nicht sagen.

    Die Druckverluste richten sich nach den Gesetzen der Strömungslehre und können hier nachberechnet werden:

    http://www.druckverlust.de/Online-Rechner/

    Allein dass Du mir die Kennlinie Deiner Pumpe zeigst demonstriert, dass Du relativ wenig von dem von mir geschriebenen verstanden hast.

    Die zu beachtenden Randbedingungen bei Einsatz eines Strömungsschalters scheinen Dir auch nicht bekannt zu sein. Mehr als dass Dir u.U. was um die Ohren fliegt kann ja nicht passieren.

    Aus dem Kennlinienfeld kann man nicht den Betriebspunkt ablesen, wenn nicht mindestens einer seiner Werte vorher berechnet (oder gemessen) wurde.

    Also wirf eine Münze oder beantworte die Frage nach dem Betriebspunkt.

    Gruss

    kg49

    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar formuliert und vollständig beschrieben wird.


    Dazu gehört hier im Forum vor allem die Beschreibung der Randbedingungen eines zu lösenden Problems,

    also z.B. Schichtenverzeichnis, Brunnenausbauplan, genaue Typenbezeichnung der Pumpe.

    Wenn Daten nicht zur Verfügung stehen, sollte das auch angegeben werden.

  • Tatsächlich bin ich richtig froh, hier auf einen spitzenmäßigen Berater gestoßen zu sein. Er versteht sich im regen Austausch, ohne sich auf das Niveau der Beleidigung oder der Überheblichkeit herab zu lassen. Da ich bis jetzt immer der Annahme war, dass Foren durchaus dazu da sind, sich auszutauschen und etwas dazu zu lernen, ohne an den Pranger gestellt zu werden, bin ich sehr froh eines besseren belehrt zu werden. Nun gehe ich aufgebaut und informiert in meinen einfach gestrickten Abend und mit Lektüre zu "Wie stelle ich dumme Fragen, um die richtige Pumpe und deren Strömungsschalter zu finden?" ins Bett. Einen schönen Abend.

  • ? ? ?

    Ich hatte gewagt eine (!) Frage zu stellen, die aber bis jetzt unbeantwortet geblieben ist.

    In allzu vielen Fachforen warst Du anscheinend noch nicht.

    Unwissenheit ist keine Schande und eine sachliche Fragestellung um Wissenslücken zu schliessen ist immer angebracht, um neues hinzuzulernen, auch wenn diese Fragen schon zig Mal im Forum beantwortet wurden.

    Aber User, die mit ihrer Unwissenheit kokettieren, wenig Bereitschaft zeigen selbständig etwas zu suchen und sachliche Fragen mit Informationen beantworten, die mit der Fragestellung wenig zu tun haben, sind in allen Fachforen besonders gern gesehene Gäste.

    Gruss

    kg49

    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar formuliert und vollständig beschrieben wird.


    Dazu gehört hier im Forum vor allem die Beschreibung der Randbedingungen eines zu lösenden Problems,

    also z.B. Schichtenverzeichnis, Brunnenausbauplan, genaue Typenbezeichnung der Pumpe.

    Wenn Daten nicht zur Verfügung stehen, sollte das auch angegeben werden.

  • Moin,


    Die IBO Pumpen sind tatsächlich empfehlenswert. Habe gute Erfahrung gemacht (nach anfänglicher Skepsis bei den Preisen).


    Sie kommen nahezu an die angegebenen theoretischen Werte. Rechne also damit, dass bei dir, ausgehend von der -30m Einbauposition, oben irgendwas zwischen 3,6-4,2 Bar ankommen. Das kann jeder Druckschalter ab.


    Die Druckschalter sind alle in 1“ Dimensioniert. Also ist „er“ die erste Reduzierung im Aufbau. Ich rate zu einer 1 1/2“ Steigleitung bis zum Druckschalter.


    Mit freundlichen Grüßen


    Kurty

    Standort: 29693 Aller Leine Tal
    Erstellter Brunnen: Borhrbrunnen, 150`er Arbeitsrohr, 125`er Brunnenrohr
    Bekannter Grundwasserstand: ca. 4,5 Meter
    Bodenverhältnisse: weicher Heidesand "Mollersand" ab 5 Meter feiner Kies
    Brunnentiefe: 10 Meter (1m Sumpfrohr, 2m Filter, 7m Brunnenrohr)

  • Tatsächlich wäre es aber am einfachsten, wenn der TE einfach die Frage nach dem angedachten Betriebspunkt beantworten würde. Dann könnte man ihm auch eine Empfehlung bezüglich der Pumpe mitteilen.


    ekznev Also nochmal verständlich: Wieviel Liter pro Stunde benötigst du und welcher Druck muss dafür vorhanden sein.

    Beispielsweise zwei Rasensprenger in Summe ca. 2.200 l/h mit einem Druck am Sprenger von 3,5 bar.

    Wenn du dann noch gut bist, sagst du uns, wieviel Meter zwischen den Sprengern bzw. Verbrauchern und der Pumpe liegen und welchen Schlauch bzw. Rohr du einsetzt.

    Daraus kann man dann die entstehen Druckverluste ermitteln und dir sagen, wass sich an deiner Pumpe für ein Betriebspunkt einstellt. Eventuell wäre dann deine Pumpe gar nicht für das von dir gedachte geeignet.


    Du musst aber auch kg49 verstehen, der sich hier sehr intensiv um die wirklich schwierigen Fälle kümmert und dann einfach voraussetzt, dass man das dir zur Verfügung gestellte Wissen aufnimmt, versteht und die entsprechend gestellte Frage beantwortet.


    Gruß

    Marcus

    Brunnenstandort: 16XXX - nordöstliches Brandenburg

    Brunnenart: Bohrbrunnen händisch erstellt

    Bohrtiefe: 10,5m ab GOK, Wasserspiegel in Ruhe bei 5,5m ab GOK

    Aufbau: 3x 1m 115er Filterrohr 0,3er Schlitzweite, 8x 1m 115er Brunnenrohr

    Pumpe: aktuell selbstansaugende Jetpumpe (max. 3,8m³/h bzw. max. 3,8 bar), geplant Ibo 3,5" SDM 3/11 Tiefbrunnenpumpe

  • @ Kurty:


    Danke für dein Feedback. Mit diesem Druck rechne ich auch in etwa. 1 1/2" Steigleitung habe ich in der Planung berücksichtigt. Das den Druck von ca. 4 Bat nahezu jeder Strömungsschalter (Presscontrol) verträgt, weiß ich. Mir geht es aber auch um die Durchflussmenge, die ja scheinbar bei den unterschiedlichen Presscontrol variiert, oder?

  • Plunschkuh

    Danke auch für dein Feedback. Mag sein, dass kg 49 fachlich sehr gut aufgestellt ist, aber der Ton macht die Musik. Mit dieser arroganten Art beißt man bei mir auf Granit und stößt auf eine abwehrende Haltung.

    Deine restlichen Anmerkungen kann ich noch nicht wirklich beantworten, weil noch unklar.

  • Aber hast du mit deinem Brunnenbauer vorher nicht abgestimmt für was du ihn überhaupt nutzen willst?

    Überspitzt gesagt wolltest du vielleicht nur einen Brunnen für ein paar Gießanwendungen aber dein Brunnenbauer hat dir sicherheitshalber einen Löschbrunnen erstellt.


    Sowas sollte eigentlich vorher geklärt werden bevor man einen Brunnen erstellt und dann eine beliebige Pumpe reinhängt.


    Also sag uns einfach mal eine grobe Richtung (Gießen, Rasen sprengen, Brauchwasserversorgung) und was du für einen geschätzten Bedarf hast.


    Beim Rasen sprengen ist das relativ simpel. Beispielsweise bei Gardena gibt es eine Übersichtstabelle über alle Rasensprenger und deren Durchflüsse bei Drücken von 2 bzw. 4 bar. Über die beregnete Fläche und die Größe deines Grundstücks kannst du dann ermitteln, wieviel Sprenger du benötigst.


    Das alles spielt in die Auswahl der Pumpe rein. Eventuell willst du 4 Sprenger gleichzeitig betreiben, was aber durch den resultierenden Betriebspunkt von deiner Pumpe überhaupt nicht abgedeckt werden kann.


    Gruß

    Marcus

    Brunnenstandort: 16XXX - nordöstliches Brandenburg

    Brunnenart: Bohrbrunnen händisch erstellt

    Bohrtiefe: 10,5m ab GOK, Wasserspiegel in Ruhe bei 5,5m ab GOK

    Aufbau: 3x 1m 115er Filterrohr 0,3er Schlitzweite, 8x 1m 115er Brunnenrohr

    Pumpe: aktuell selbstansaugende Jetpumpe (max. 3,8m³/h bzw. max. 3,8 bar), geplant Ibo 3,5" SDM 3/11 Tiefbrunnenpumpe

  • Kann ich das Pferd nicht auch von hinten aufzäumen? Die o. g. Pumpe einbauen, weil sie ja scheinbar passable Werte liefert, und dann Wassermenge und Druck messen. Danach kann ich doch auch bewerten wieviele Regner ich zeitgleich betreiben kann. Oder habe ich hier einen Denkfehler?

    Ist es überhaupt sinnvoll eine 4" Pumpe in einen 4" Brunnen zu hängen oder wählt man lieber eine 3,5" Pumpe?

  • In einen 4" Brunnen hängt man keine 4" Pumpe. Der Spalt zwischen Pumpe und Rohr ist einfach viel zu klein und kann die Pumpe nicht ausreichend kühlen. Außerdem entstehen extrem hohe Strömungsgeschwindigkeiten in dem Spalt.


    Ich rate dir da eher zu einer 3" Pumpe. Selbst 3,5" wird da schon eng, aber da gibt es hier sicher andere mit mehr Erfahrung.


    Was die Auslegung der Pumpe angeht: Ja da hast du einen Denkfehler. Du kannst nicht eine beliebig große Pumpe in deinen Brunnen hängen und dann mal gucken was hinten rauskommt.

    Hast du denn überhaupt mal gemessen, was dein Brunnen für eine konstante Wassermenge liefern kann? Dein Brunnenbauer hat den Brunnen ja sicher klar gepumpt, da wird er auch eine Aussage machen können, mit welcher Wassermenge du rechnen kannst.

    Wenn du jetzt eine Pumpe wählst, welche die Förderleistung deines Brunnen übersteigt, wirst du dir über kurz oder lang den Brunnen zerstören.


    Also nochmal: Kläre erst die Rahmenbedingungen und dann wähle deine Pumpe.

    Brunnenstandort: 16XXX - nordöstliches Brandenburg

    Brunnenart: Bohrbrunnen händisch erstellt

    Bohrtiefe: 10,5m ab GOK, Wasserspiegel in Ruhe bei 5,5m ab GOK

    Aufbau: 3x 1m 115er Filterrohr 0,3er Schlitzweite, 8x 1m 115er Brunnenrohr

    Pumpe: aktuell selbstansaugende Jetpumpe (max. 3,8m³/h bzw. max. 3,8 bar), geplant Ibo 3,5" SDM 3/11 Tiefbrunnenpumpe

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