Schlitzweitenermittlung

  • Hallo und Guten Abend,

    wie so manch Anderer in diesem Forum, versuche auch ich mir einen eigenen Bohrbrunnen herzustellen. Schritt für Schritt, Eile oder Dringlichkeit besteht keineswegs.

    Also hab ich mir in meinem 2000m2 Garten ein geeignetes Plätzchen gesucht und probeweise einfach mal ein Loch (DN165) gebohrt. Ich traute meinen Augen nicht, nach 3 Meter bohren, hab ich schon 85cm Wasser im Loch stehen. Ich habe jetzt nach 5 Tagen erneut gemessen, das Niveau bleibt absolut gleich. Also hab ich mir beim Stahlhandel erstmal Material besorgt, da ich mir die notwendige Kiespumpe selber bauen möchte.

    Jetzt stelle ich mir aber die Frage, welches Filterrohr ich nehmen soll, denn der dritte Meter der Bohrung bestand nur aus Sand, ganz ohne Steine, der Bohrer ging rein wie in Butter.

    Aber wie kann man ohne ein professionelles Bohrgerät mit Arbeitsrohr wissen, wie die folgenden Meter der Bohrung aufgebaut sind? Das kann man wohl nur raten, bzw. sieht man dann während des plunschens des Brunnenrohres. Gibt es ein Messverfahren der Sandkörnung mit „einfachen Hausmitteln“? Soll ich die Schlitzweite sicherheitshalber 0,3 wählen? Was raten mir die erfahrenen Leute unter Euch? Der Sand bei 3 Meter ist quasi identisch mit dem gelben Sandkastensand meines Sohnes, nur eben rötlicher.

    im Handbuch „Brunnen bohren“ von Albrecht Trunk habe ich gelesen, dass 0,5 Schlitzweite noch gut mit „Sandkastensand“ funktioniert. Was ist Eure Meinung dazu?

    Grüsse

    Fretscha

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    Quote

    Spielsand muss laut DIN 18034 (Spielplätze und Freiräume zum Spielen – Anforderungen für Planung, Bau und Betrieb) eine Korngröße von etwa 2 mm bis 0,05 mm aufweisen. Die Körnungen in diesem Bereich besitzen Eigenschaften, auf die es sich empfiehlt, näher einzugehen:

    • grober Sand (0,63 mm – 2 mm): grob zu feiner Kinderhaut, Schürfungen sind möglich, Sandformen fallen schnell auseinander
    • feiner Sand (0,05 mm – 0,2 mm): weich zur Kinderhaut, oftmals jedoch zu fein zum Formen, die Förmchen fallen in sich zusammen, bei Nässe nicht spielbar
    • mittlere Körnung (0,2 mm – 0,63 mm) : weicher als grober Sand, haftet an Förmchen

    Hat er auch geschrieben welchen Sand er mit 'Sandkastensand' meint?

    Wie auch immer, wenn du auch weiterhin Sand erwartest würde ich über 0.5mm gar nicht nachdenken, sei froh wenn du nicht sogar Feinsandfilter brauchst.

    Die theoretische Wasserdurchlässigkeit der grösseren Schlitzweite ist auch gar nicht so viel grösser wenn ich nicht irre...oder war sie bei 0.3mm nicht sogar grösser weil hier die Schlitze enger beieinander liegen? Bin ich gerade nicht mehr so sicher, am besten mal selbst die technischen Daten ergoogeln.



    Aber wie kann man ohne ein professionelles Bohrgerät mit Arbeitsrohr wissen, wie die folgenden Meter der Bohrung aufgebaut sind?

    Das weiss man auch beim professionellen Gerät erst wenn man gebohrt hat ;-).

    Arbeitsrohr kann man auch manuell plunschen, ist halt etwas mehr Arbeit und Abraum. Und finanzieller Mehraufwand, wobei man das Arbeitsrohr anschliessend wieder verkaufen kann und so den Verlust etwas minimieren. Bei Feinsand führt aber 'eh kein Weg daran vorbei.

  • Im Prinzip wurde alles schon gesagt.

    Damit Du noch mal die Vor- und Nachteile einer Bohrung mit bzw. ohne Arbeitsrohr vor Augen geführt bekommst, hier noch mal ein paar Infos dazu:


    Filterrohre und Kiesschüttung

    Es wird viel zu viel gebuddelt und viel zu wenig nachgedacht beim hobbymässigen Brunnenbau. Und manche "Profis" denken auch zu wenig.

    Im Prinzip gilt grundsätzlich (Ausnahmen bestätigen die Regel, die zu schildern wäre zu umfangreich):

    Ein "profimässig" erstellter Bohrbrunnen wird immer mit einem Arbeitsrohr errichtet, damit eine Kiesschüttung bzw. ein Feinsandfilter auf das Schichtenverzeichnis abgestimmt werden kann.

    Das Filterrohr hat dabei nicht die Aufgabe zu filtern, sondern ist Gerüst für die filternde Kiesschicht. Zwischen Arbeitsrohr und Brunnenrohr muss genügend Platz sein, um eine wirksame Filterkiesschicht schütten zu können.

    Alternativ dazu gibt es im Fachhandel (kein Baumarkt) sogenannte Kiesklebefilter oder Kiesbelagfilter (sehr teuer, aber gut), die man statt einer Kiesschüttung verbauen kann.

    Die Abstimmung von Filterkies oder Kiesklebefilter auf die Bodenschicht ist eine komplexe Überlegung, die sehr umfangreich werden kann, um maximale Ergebnisse zu erzielen.

    Da hobbymässig erstellte Brunnen nicht der Wasserversorgung von Stadtteilen dienen, können hier Abstriche an das maximal Mögliche gemacht werden.

    Will man ohne Arbeitsrohr arbeiten, ändern sich die Verhältnisse gravierend.

    Jetzt dient das Filterrohr nicht mehr als Traggerüst für eine genau abgestimmte Kiesfilterschicht, sondern als Traggerüst für das Erdreich um die Filteröffnungen.

    Da man meistens nicht weiss, wie sich das Erdreich zusammensetzt, bleibt einem nichts anderes übrig, als die kleinste Schlitzweite zu nehmen und zu hoffen, dass das passt.

    Generell gilt:

    Ist der Boden um die Filter zu fein, so gehen die Körner durch die Filterschlitze und der Brunnen wird ständig Sand führen.

    Haben die Bodenkörner die gleiche Grösse wie die Filterschlitze, so werden diese in einem hohen Umfang verstopfen und den Wassereintritt stark verringern.

    Nur wenn die Körner grösser als die Filterschlitze sind, können sie sich wie eine Filterkiesschüttung an das Filterrohr anlegen.

    Nun besteht der Boden ja nicht aus gewaschenem und gesiebten Sand bzw. Kies, sondern es sind alle möglichen Korngrössen in einer Probe zu finden. Deswegen muss man einen Esslöffel getrockneten Boden auf mm-Papier streuen, um ihn beurteilen zu können.

    Die grösseren Körner sollten grösser als die Filterschlitze sein, die kleineren, das sogenannte Unterkorn, sollte kleiner als die Schlitze sein.

    Falls Filterkies geschüttet wird, muss dieser unter Berücksichtigung dieser Überlegungen ausgewählt werden. Filterkies ist idealerweise fast kugelförmig, Splitt ist auf jeden Fall ungeeignet.

    Beim Klarpumpen eines Brunnens wird im Idealfall das Unterkorn durch die Schlitze abgepumpt, im Laufe der Zeit immer weniger und der Brunnen wird sandfrei.

    Ob man nun ein Arbeitsrohr setzt, mit Kiesschüttung oder Kiesklebefiltern arbeitet, oder das Rohr direkt abteuft, muss jeder Hobbybrunnenbauer selbst entscheiden.

    Manchmal sind Erfahrungen der unmittelbaren Nachbarschaft oder Schichtenverzeichnisse der zuständigen Ämter nützlich. Sie sind aber nie(!) eine Garantie für den Boden,den man dann tatsächlich antrifft. Innerhalb weniger Meter können sich die Bodenverhältnisse massiv verändern.

    Gruss

    kg49

    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar formuliert und vollständig beschrieben wird.


    Dazu gehört hier im Forum vor allem die Beschreibung der Randbedingungen eines zu lösenden Problems,

    also z.B. Schichtenverzeichnis, Brunnenausbauplan, genaue Typenbezeichnung der Pumpe.

    Wenn Daten nicht zur Verfügung stehen, sollte das auch angegeben werden.

  • Ich habe gerade kein Millimeterpapier zur Hand, aber auf dem Bild kann man den feinen Sand doch gut erkennen.

    Besteht denn die Möglichkeit, dass unter diesem Sand eventuell Kies liegt bzw. der Sand grober wird? Oder ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass der Sand noch feiner wied? Ich finde im Netz leider keine Informationen über unseren Boden der Umgebung.

  • Besteht denn die Möglichkeit, dass unter diesem Sand eventuell Kies liegt bzw. der Sand grober wird? Oder ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass der Sand noch feiner wied?

    Beides ist möglich. In den Boden kann keiner hineinschauen, da muss man schon nachgucken.

    Gruss

    kg49

    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar formuliert und vollständig beschrieben wird.


    Dazu gehört hier im Forum vor allem die Beschreibung der Randbedingungen eines zu lösenden Problems,

    also z.B. Schichtenverzeichnis, Brunnenausbauplan, genaue Typenbezeichnung der Pumpe.

    Wenn Daten nicht zur Verfügung stehen, sollte das auch angegeben werden.

  • Ich danke Euch für die Informationen. Ich mache einen Versuch ohne Arbeitsrohr, wenn nichts anderes als dieses Sand kommen sollte, ziehe ich es wieder und kaufe Arbeitsrohr und fange an gleicher Stelle von vorne an. Der Brunnen ist für mich nicht lebensnotwendiges, mehr aus Interesse und Freude am Selbstversuch tue ich mir das an.

  • Hallo,


    Ich habe mal ca. 0,5 kg getrockneten Sand aus 3 Meter Tiefe gesiebt. Das bleibt dabei über. Ich bin absoluter Laie, also bitte nicht steinigen, aber wird der Brunnen durch klarpumpen und weiterer Wasserentnahme im Laufe der Zeit seine eigene Kiesschüttung „rauswaschen“?

  • Das nicht, aber Du hättest das Rausgesiebte abbilden müssen, damit man beurteilen kann, ob ein Feinsandfilter erforderlich ist.

    Hier mal ein Artikel, der so an der Oberfläche der komplexen Filterthematik kratzt:

    Filterrohre und Kiesschüttung

    Es wird viel zu viel gebuddelt und viel zu wenig nachgedacht beim hobbymässigen Brunnenbau. Und manche "Profis" denken auch zu wenig.

    Im Prinzip gilt grundsätzlich (Ausnahmen bestätigen die Regel, die zu schildern wäre zu umfangreich):

    Ein "profimässig" erstellter Bohrbrunnen wird immer mit einem Arbeitsrohr errichtet, damit eine Kiesschüttung auf das Schichtenverzeichnis abgestimmt werden kann.

    Das Filterrohr hat dabei nicht die Aufgabe zu filtern, sondern ist Gerüst für die filternde Kiesschicht. Zwischen Arbeitsrohr und Brunnenrohr muss genügend Platz sein, um eine wirksame Filterkiesschicht schütten zu können.

    Alternativ dazu gibt es im Fachhandel (kein Baumarkt) sogenannte Kiesklebefilter oder Kiesbelagfilter (sehr teuer, aber gut), die man statt einer Kiesschüttung verbauen kann.

    Die Abstimmung von Filterkies oder Kiesklebefilter auf die Bodenschicht ist eine komplexe Überlegung, die sehr umfangreich werden kann, um maximale Ergebnisse zu erzielen.

    Da hobbymässig erstellte Brunnen nicht der Wasserversorgung von Stadtteilen dienen, können hier Abstriche an das maximal Mögliche gemacht werden.

    Will man ohne Arbeitsrohr arbeiten, ändern sich die Verhältnisse gravierend.

    Jetzt dient das Filterrohr nicht mehr als Traggerüst für eine genau abgestimmte Kiesfilterschicht, sondern als Traggerüst für das Erdreich um die Filteröffnungen.

    Da man meistens nicht weiss, wie sich das Erdreich zusammensetzt, bleibt einem nichts anderes übrig, als die kleinste Schlitzweite zu nehmen und zu hoffen, dass das passt.

    Generell gilt:

    Ist der Boden um die Filter zu fein, so gehen die Körner durch die Filterschlitze und der Brunnen wird ständig Sand führen.

    Haben die Bodenkörner die gleiche Grösse wie die Filterschlitze, so werden diese in einem hohen Umfang verstopfen und den Wassereintritt stark verringern.

    Nur wenn die Körner grösser als die Filterschlitze sind, können sie sich wie eine Filterkiesschüttung an das Filterrohr anlegen.

    Nun besteht der Boden ja nicht aus gewaschenem und gesiebten Sand bzw. Kies, sondern es sind alle möglichen Korngrössen in einer Probe zu finden. Deswegen muss man einen Esslöffel getrockneten Boden auf mm-Papier streuen, um ihn beurteilen zu können.

    Die grösseren Körner sollten grösser als die Filterschlitze sein, die kleineren, das sogenannte Unterkorn, sollte kleiner als die Schlitze sein.

    Falls Filterkies geschüttet wird, muss dieser unter Berücksichtigung dieser Überlegungen ausgewählt werden. Filterkies ist idealerweise fast kugelförmig, Splitt ist auf jeden Fall ungeeignet.

    Beim Klarpumpen eines Brunnens wird im Idealfall das Unterkorn durch die Schlitze abgepumpt, im Laufe der Zeit immer weniger und der Brunnen wird sandfrei.

    Ob man nun ein Arbeitsrohr setzt, mit Kiesschüttung oder Kiesklebefiltern arbeitet, oder das Rohr direkt abteuft, muss jeder Hobbybrunnenbauer selbst entscheiden.

    Manchmal sind Erfahrungen der unmittelbaren Nachbarschaft oder Schichtenverzeichnisse der zuständigen Ämter nützlich. Sie sind aber nie(!) eine Garantie für den Boden,den man dann tatsächlich antrifft. Innerhalb weniger Meter können sich die Bodenverhältnisse massiv verändern.

    Gruss

    kg49

    Ein Problem ist meist schon halb gelöst, wenn es klar formuliert und vollständig beschrieben wird.


    Dazu gehört hier im Forum vor allem die Beschreibung der Randbedingungen eines zu lösenden Problems,

    also z.B. Schichtenverzeichnis, Brunnenausbauplan, genaue Typenbezeichnung der Pumpe.

    Wenn Daten nicht zur Verfügung stehen, sollte das auch angegeben werden.

  • Hallo,


    Ich habe mal ca. 0,5 kg getrockneten Sand aus 3 Meter Tiefe gesiebt. Das bleibt dabei über. Ich bin absoluter Laie, also bitte nicht steinigen, aber wird der Brunnen durch klarpumpen und weiterer Wasserentnahme im Laufe der Zeit seine eigene Kiesschüttung „rauswaschen“?

    Es kommt dabei darauf an, welche Korngrößen und diese in welchen Mengenverhältnissen vorhanden sind.

    Ist der Boden recht homogen durch alle Korngrößen aufgebaut, erstellt sich evtl im Laufe der Zeit eine Filerstabilität um den Brunnen herum.

    Andernfalls wird der Feinanteil immer Wege durch das gröbere Material finden.

Brunnen selber bauen